Wer immer auch so sehr von seinem Leben erzählt und sich so offenbart, dass man nie auch nur den Hauch eines Zweifels erwägt, dass es hierbei um eine Masche handeln könnte, der muss ein Gott sein.
Reinhard Mey ist einer. Ein Großer… ohne Vergleich. Nicht einer von denen, sondern derjenige, welcher eben, versteht ihr?

Und immer ist er ganz nah dran an denen, die ihm folgen, mit ihm durch die Jahre ziehen und seinem Leben lauschen, seiner zart gesungenen, fast schon gehauchten Poesie. Was braucht es da noch, um ein Album zu rezensieren?

Da geht es nicht um Abwandlungen oder Veränderungen, einen neuen Musikstil oder einen Imagewechsel. Es geht um das, was er dieses Mal vermittelt, was es auf „Mr. Lee“ zu belauschen gibt. Wo er steht, was er 2016 sagt, was ihn all die vergangenen Monate und Jahre bewegt hat.

Mr. Lee ist dabei das 27. Studioalbum des Songwriters. 13 Lieder und zwei Bonustracks, mit einem Mr. Lee im Fokus. Dieser ist „der schweigsame Reisende, der sich vor den Seelen der Geschundenen im S21, dem Folterkerker, verneigt, den die barfüßigen Kinder in den Slums von Phnom Penh lieben, weil er ihnen ihre Postkarten oder Zigaretten abkauft“, wie der Titel beschrieben wird. „Mr. Lee“:  eine Person, die Assoziationen freisetzt.
Reinhard Mey hat immer das richtige Gespür für die Momente, die seine Hörer berühren. Und er ist  die Musikfabrik, die in steter Regelmäßigkeit alle drei Jahre neue Geschichten auf den Markt bringt.   Mey geht zurück in seine Schulzeit, er taucht ein in das Leben des schnöden Daseins. Er beobachtet, er seziert, er reflektiert.

„Mr. Lee“ ist wieder einmal ein grandioser Mey, ein weiteres Epos des Lebens zum Träumen, Weinen, zum Nachdenken und Immerwiederhören. Weil wir ihm so gerne lauschen mit seiner Gitarre und seiner allumfassenden lyrischen Streichelstimme, die in all den Jahren nur noch prägender wird, aber nie ihren Reiz verliert.