Die absolute Freiheit

So muss sich wohl die absolute künstlerische Freiheit anhören. Sich befreien aus Zwängen und von ewigen Kreisläufen. „Es fühlt sich so gut an…“ besingt es Clueso. Er geht ohne Plan in die neue Zukunft. Sein neues Album (man könnte es als sein siebtes bezeichnen, was es aber angesichts des Neustarts nicht trifft) ist ein Interview, eine Lebensgeschichte.

Alles, was man über ihn wissen muss, was Clueso bislang nicht sagte, ist hier auf zehn Songs gepresst. „Neuanfang“ ist reduzierter als seine Vorgänger. Und doch gibt es Neues zu entdecken. Kleine Spielereien drängen sich ins Ohr. Gemeinsam mit Gastkünstlern wie Kat Frankie und Sara Hartman wird sein erstes Album in Cluesos neuem Leben zu einem ganz auf das Wesentliche konzentrierte Werk. So persönlich war der Erfurter noch nie. Und so facettenreich. Eingängige, minimalitische Gitarrenriffs fanden sich bislang nicht in dieser Form auf einem Clueso-Album. Ebenso wenig wie Duette, schöne Balladen. 

Es als „mutig“ zu bezeichnen, seine Komfortzone zu verlassen, wäre dabei aber zu einfach. Cluesos Neustart bedeutet vor allem eins: Herauszufinden, wo man als Künstler steht, wie es sich anfühlt, die Karten neu zu mischen, mit anderen Leuten zu arbeiten und sich neu zu finden und zu ERfinden.  „Neuanfang“ ist die bislang stärkste und größte Entwicklung Cluesos. Da lässt sich nichts schön reden, denn es ist schön. Kein schwarz-weiß, sondern eine bunte Metamorphose, „sorgenfrei“ in ein neues musikalisches Mosaik. Das Album geht unter die Haut, mehr noch als seine Vorgänger ein Longplayer zum Zuhören, den es natürlich auch wieder in warmen Klang als Vinyl gibt.  

„Das ist mein eigenes Schiff“ heißt es in einer Textzeile von „Lass sie reden“. „Nicht rundgeschliffen, funkeln trotz Ecken und Kanten“, so singt er weiter. Komplette Unabhängigkeit. Losgelöst vom alten Leben. Und immer noch derselbe sein. Clueso hat diese kaum lösbare Aufgabe geschafft, ohne darauf hingearbeitet zu haben. Eine Gradwanderung, wie sie von Clueso noch nie zu erleben war.   

Er hat viel mitzuteilen. Auch wenn er schon immer Bewegendes zu Papier gebracht hat, ist „Neuanfang“ eine Art Biographie der letzten Jahre. Das Album ist ein vertontes Interview. Nicht verzichten müssen seine Fans auf eingängige Melodien. Trotz Neuanfang wird niemand verprellt. Im Gegenteil. Er wird Hörer dazugewinnen.

Und symbolisch für den Neustart gibt es für alle Fans und Vinylfreunde die erste Single „Neuanfang“ in einer Auflage von nur 1.500 Stück. Sie wird damit zu einem Sammlerstück und zu etwas nicht Reproduzierbarem.