Im Visier: Legehennen und ihre Eier

Legehennen
Legehennen/ Symbolfoto

Teil 1: Happy End für ausgediente Legehennen

Dies ist die Geschichte von einem Tropfen. Von einem Tropfen auf den heißen Stein – einem wichtigen und wertvollen Tropfen.

In Deutschland werden täglich ca. 1,7 Millionen Hühner geschlachtet. Unter ihnen sind auch ausgediente Legehennen. Für manche von ihnen gibt es jedoch ein Happy End.

Dies ist ihre Geschichte:

Es ist wie immer eine Nacht- und Nebelaktion. In den frühen Morgenstunden eines Sonntages wurden vor einigen Wochen ca. 800 „ausrangierte“ Legehennen von Tierschützern aus einem Stall geholt und vor dem Schlachthof gerettet.

Organisiert hat das der Verein „Rettet das Huhn e.V.“, der jedes Jahr ca. 12.000 ausgediente Legehennen an gute Hände vermittelt, damit diese Tiere den Rest ihres Lebens einfach Huhn sein dürfen. Der Landwirt in diesem Beispiel schenkt bereits seit einigen Jahren seine ausgedienten Hühner dem Verein anstatt sie zum Schlachthof fahren zu lassen. Gerade 14 Monate sind sie alt (Hühner können eigentlich 5 – 7 Jahre alt werden, manche sogar noch älter) und ihre Legeleistung ist nun nicht mehr wirtschaftlich.

Normalerweise werden sie jetzt zu Hunde- oder Katzenfutter „verarbeitet“ oder noch als „Suppenhuhn“, wenn sie aus Freiland- oder Bio-Haltung kommen. Ihr Verkaufswert liegt bei wenigen Cent pro Tier.

Foto: Anke Anke Wolfath
Foto: Anke Astrid Wolfarth

Der Verein „Rettet das Huhn e. V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Tieren eine Chance zu geben. Wenn wie in dem Beispiel hier der Landwirt auf den Schlachtwert verzichtet und die Hühner dem Verein schenkt, wird jedes einzelne Tier in gute Hände vermittelt – mit entsprechenden Auflagen versteht sich. Schließlich sollen diese Wesen nach ihrer Rettung endlich ein schönes Leben führen dürfen. Im Vorfeld haben die neuen Hühner-Besitzer vertraglich zugesichert, dass die Vögel sicher, gut und vor allem artgerecht untergebracht und dass sie selbstverständlich nicht geschlachtet werden.

Es ist sehr berührend bei einer Rettung dabei zu sein und den intelligenten Tieren bei diesem wichtigen Schritt in ihr neues Leben helfen zu können.
(Tatsächlich können Hühner u. a. Probleme lösen, sich an Vergangenes erinnern, Entscheidungen treffen, lernen und schlussfolgern. Küken können sogar von Geburt an Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum zwischen 0 und 5 lösen. Ihre Intelligenz geht über die von Kleinkindern hinaus. Quelle: peta)

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Helge Jelitte

Der Zustand, in dem die empathiefähigen Vögel teilweise aus dem Stall geholt werden beschämt sehr. Obwohl man unter Adrenalin steht und hoch konzentriert ist auf das Huhn, welches man gerade auf seinen Gesundheitszustand untersucht, fahren manche Gedanken ungefragt alleine Karussell. Gedanken wie „Was tun wir Menschen nur den Tieren an?“, „Wann endlich hat alle Tierqual ein Ende?“ oder „Ich wünschte, dass Jeder einmal in diese Ställe ginge.“

Ganz ohne Tränen oder Momente, die besonders nahe gehen, schafft man es nicht. Wer schon einmal ein Huhn in Todesangst hat schreien hören, der weiß, was ich meine. Oder immer dann, wenn man ein besonders ausgemergeltes und schwaches Tier in den Händen hält.

Nach zwei Stunden sind schließlich alle Tiere aus dem Stall geholt und sicher in die Boxen für den weiteren Transport verstaut.

Für die meisten von ihnen beginnt kurz darauf ihr Neustart in ein Leben als ganz normales Huhn.

Kranke und verletze Tiere werden nun direkt zum Tierarzt gebracht!

(Aus Boden- und Käfighaltung werden nur verletzte, kranke und tote Tiere aus den Ställen geholt, die Hühner aus dieser Rettung stammen aus Freiland-Haltung. Trotzdem haben die meisten nie den Stall verlassen.)

Am Ende meldet sich neben der Erschöpfung auch ein leises Glücksgefühl. Ein Glücksgefühl für diese Tiere, die jetzt einfach nur leben dürfen und endlich Wertschätzung und Achtung erfahren werden – wie es eigentlich alle Mitgeschöpfe verdient hätten.

 

Ein Huhn  3 Monate nach der Rettung/ Foto Helge Jelitte

Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt – aber die ganze Welt verändert sich für dieses Tier.

Pro Kopf werden in Deutschland 236 Eier pro Jahr verbraucht, 27 Eier mehr als vor 15 Jahren (Quelle: de.statista.com). Die meisten davon sind sog. „versteckte“ Eier.

Lesen Sie im 2. Teil, was es mit den versteckten Eiern auf sich hat und wie man die meisten Eier ganz einfach ersetzen kann…

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