Im Visier: Legehennen und ihre Eier – Teil 2

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Im Visier: Legehennen und ihre Eier - Teil 2

Teil 2: Verbrauchertäuschung: „versteckte“ Eier aus Käfighaltung


Man mag es kaum glauben und doch bringt die Statistik es zu Tage: der durchschnittliche Verbrauch von Eiern liegt bei sage und schreibe 236 Stück pro Kopf und Jahr.
(Quelle: de.statista.com/2019)

Wie kommt diese erschreckend hohe Zahl zustande? Gekochte Frühstückseier am Wochenende oder mal ein Rührei zwischendurch?? Tatsächlich liegt der Verbrauch von sog. „versteckten“ Eiern um ein Vielfaches höher als die Zahl unserer Eier zum Frühstück. Die sog. versteckten Eier unterliegen zudem keiner Kennzeichnungspflicht und stammen daher nahezu alle aus Käfighaltung. Ein Grund mehr, einmal näher hinzusehen. Denn Käfig- und auch Bodenhaltung gelten zurecht bei den meisten Menschen als verpönt. Aus diesem Grund haben viele Supermärkte zumindest die Eier aus Käfighaltung aus ihren Regalen verbannt. Ein Erfolg harter und jahrelanger Tierschutzarbeit, u. a. durch die Aktion „Kein Ei mit der 3“.

 

Beispiel BIO-Eier aus NRW: 0-DE-0512345/ (eigene Grafik/ Herr Wolfarth)

Kleiner Exkurs zum Eier-Code:

Die 1. Ziffer steht für das Haltungssystem
(0=ökologische Erzeugung – 1=Freilandhaltung – 2=Bodenhaltung  3=Käfighaltung)
Die folgenden beiden Buchstaben stehen für das Herstellungsland
(DE=Deutschland – NL=Niederlande – AT=Österreich usw.)
Die folgende 7stellige Zahl gibt Aufschluss über den Erzeugerbetrieb. Hier in Deutschland stehen dabei die ersten beiden Zahlen für das Bundesland
(01=Schleswig-Holstein – 02=Hamburg – 03=Niedersachsen – 04=Bremen
05= Nordrhein-Westfalen – 06=Hessen – 07=Rheinland-Pfalz – 08=Baden-Württemberg
09=Bayern – 10=Saarland – 11=Berlin – 12=Brandenburg – 13=Mecklenburg-Vorpommern
14=Sachsen – 15=Sachsen-Anhalt – 16=Thüringen).

 

Frische Käfig-Eier aus den Regalen zu verbannen ist jedoch nur ein erster Schritt. Denn obwohl es hierzulande kaum noch Eier mit dem „Stempel 3“ zu kaufen gibt, essen wir weiterhin Käfig-Eier – und zwar ohne es zu wissen: Es sind die Eier, die wir nicht sehen, die sog. versteckten Eier.
Sie sind in verarbeiteten Produkten wie z. B. Mayonnaise, Nudeln, Kekse, Süßigkeiten und Fertiggerichten enthalten. Da diese Eier keiner Kennzeichnungspflicht unterliegen und „billig“ bei uns leider immer noch voll im Trend liegt zahlen den wirklichen Preis für diese Eier unsere Legehennen.

Die gute Nachricht: Wir können uns bei jedem Einkauf bewusst dagegen entscheiden.

Bei den nächsten Einkäufen einfach ein paar Minuten mehr Zeit einplanen, um die irreführenden Lebensmittel aufzuspüren. Vorab einige Beispiele.

Nudeln:

Nudeln brauchen keine Eier, in den original italienischen Nudeln sind ohnehin keine drin. Doch man muss aufpassen und gezielt das Kleingedruckte lesen. Mitunter ist die Aufschrift auf der Vorderseite irreführend. So gibt es z. B. Nudeln, die Eier enthalten, obwohl vorne auf der Packung „aus 100 % Hartweizen“ steht. Daher sollte man immer einmal einen kurzen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen.

Mayonnaise/Remoulade:

In den letzten Jahren haben einige Firmen eine eifreie Variante auf den Markt gebracht. Sie verwenden statt Ei pflanzliches Öl, meistens Rapsöl. Geschmacklich absolut überzeugend und diese Variante hat den zusätzlichen Vorteil der längeren Haltbarkeit.

Backwaren:

In der Bäckerei kann man ganz einfach danach fragen. Teilweise sind die Inhaltsstoffe schon durch Schilder gekennzeichnet.

Fertiggerichte:

Sie sind ja eigentlich ohnehin weder gesund noch inhaltlich besonders wertvoll. Wer darauf nicht verzichten möchte, sollte einfach die BIO-Variante auswählen. Denn die dort enthaltenen Eier müssen aus ökologischer Erzeugung stammen. Oder einfach ein eifreies Fertiggericht auswählen. Mit der Kennzeichnung „vegan“ kann man sich dann ganz sicher sein und braucht das Kleingedruckte nicht mehr lesen.

Insgesamt werden die Eier ihren Eigenschaften entsprechend in den Fertigprodukten eingesetzt bzw. verarbeitet.

  • als Emulgator/Stabilisator in
    Mayonnaise, Remoulade, Brotaufstrichen, Würzpasten, Dressings, Soßen, Suppen, Cremespeisen, Süßspeisen, Pralinen, Schokolade, Nougat, Keksen, Gebäck, Fertiggerichten, Feinkostsalaten, Backmischungen, Instant-Getränken, Getränkepulver, Babynahrung
  • als Bindemittel in
    Teig- und Backwaren, Keksen, Klößen, Kartoffelprodukten, Panaden, Soßen, Fleisch- und Wurstwaren, Speiseeis
  • als Lockerungsmittel bzw. zur Schaumbildung bei
    Soufflés, Biskuit, Baisers, Zuckerwatte, Schokoküssen, Marshmallows, Cocktails
  • als Konservierungsstoff in Käse und Bier (!)
    (Anmerkung: Vermutlich ist hier der Konservierungsstoff Lysozym/E1105 gemeint. Dieser wird häufig aus Eiern hergestellt.)
  • zur Gelbfärbung und/oder für den Geschmack bei
    Kuchen, Gebäck, Brot, Brötchen, Süßspeisen, Suppen, Soßen
  • zur Klärung/als Schönungsmittel bei
    Wein, Likör, Fruchtsaft, Brühe, Aspik.
(Quelle: food.r-biopharm.com)

 

Eier können aber auch in kosmetischen Artikeln wie z. B. Shampoo enthalten sein. Leider bleibt es Einem nicht erspart, sich anfangs öfters mal die Inhaltsstoffe genau anzusehen. Aber Übung macht den Meister und wer damit erst mal anfängt, der wird sicher immer öfter ins Grübeln kommen…

Noch ein Hinweis für Vegetarier:
Bei der vegetarischen Wurst wird meistens als Fleischersatz Ei verwendet. Wenn es sich um kein Bio-Produkt handelt, dann besser die Finger davon lassen, weil es sich höchstwahrscheinlich um Eier der Klasse 3 handelt.

Eine Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigte sogar, dass – egal ob Käfig-, Boden-, Freiland oder Biohaltung – keine Haltungsform tatsächlich eine tiergerechte Haltung garantiert.

Fazit:

Am Ende bleibt tatsächlich nur das gekochte Frühstücksei übrig und wer darauf nicht verzichten möchte, der kennt sicher Jemanden, der selber ein paar Hühner hält oder hat einen guten Bio-Laden in der Nähe. Idealerweise sollte man sich vergewissern, dass die Tiere auch wirklich artgerecht gehalten werden. Dann schmeckt es auch noch besser!

Alle anderen Eier lassen sich problemlos ersetzen. Sogar Rührei ist möglich!!

Lesen Sie im 3. Teil welche Ei-Alternativen es gibt und wie sie funktionieren.

 

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