Zugegeben: ein wenig müde bin ich noch. Gestern Abend fand im Areal Böhler die Verleihung zum Düsseldorfer des Jahres statt.

Der Preis wurde in insgesamt fünf Kategorien vergeben. Der Preis für das Lebenswerk ging 2018 an die Toten Hosen.

Glückliche Preisträger und sympathische Laudatoren

Wie auch in den Jahren zuvor überzeugte der Düsseldorfer des Jahres 2018 unter anderem durch seine Authentizität. Laudatoren, die sich eingehend mit „ihren“ Preisträgern beschäftigt hatten und flammende Reden (s. Rainer Calmund) hielten oder ein Wolfgang Niedecken, der betonte: „Zwischen BAP und die Hosen passt kein Blatt!“ zeigten, dass es auch in der Branche durchaus noch menschelt. Und das ist verdammt gut so.

So nahm Michael Rauterkus den Preis in der Kategorie „Wirtschaft“ entgegen, Fortuna Düsseldorf wurde im Bereich „Sport“ ausgezeichnet, Michael und Holger te Heesen freuten sich über ihre Anerkennung im Bereich „Innovation und Nachhaltigkeit“, Hauschka wurde für seine Leistungen im Bereich „Kultur“ bedacht, Jenny Jürgens nahm den Düsseldorfer des Jahres in der Kategorie „Ehrenamt“ für ihr „Herzwerk“ entgegen und die Hosen wurden für ihr Lebenswerk geehrt.

Eine lange Liste mit Preisträgern, die es allesamt verdient hatten, an diesem Abend auf der Bühne zu stehen.

Die Toten Hosen – Standing Ovations, eine spontane Rede und unser Interview

Campino und Co. hatten keine Rede vorbereitet, schafften es aber auf gewohnt lockere Art („Bitte setzen Sie sich wieder… das macht mich total nervös.“ -Campino) den altbekannten Spirit ab der ersten Sekunde aufleben zu lassen.

Wir haben uns nach der Preisverleihung mit Campino unterhalten und ihn gefragt, ob er denn nervös war.

„Es ist ja nicht so, dass wir nicht gewusst hätten, was auf uns zukommt.“ sagt er, „Wir hatten uns keine Rede ausgedacht. Das habe ich zwischendurch bereut. Als der Abend seinen Lauf nahm, habe ich mir viele Gedanken gemacht, die ich dann nicht alle rübertransportiert habe. Andererseits finde ich es immer positiv, wenn man bei so etwas aus dem Bauch heraus reagiert.“

Einige Leute haben es nicht verstanden, wie eine Punk Band zum Düsseldorfer des Jahres gewählt werden kann. Hat sich Punk denn im Laufe der Jahre verändert? Hierzu hat Campino eine klare Meinung: „Ich kann nur für die Band und nicht für die Punkbewegung sprechen, aber ich glaube, dass man sich gegenseitig aufeinander zubewegt hat. Ich glaube, wir sind inzwischen weniger puristisch als früher und viel toleranter. Wir haben einfach Spaß an Rockmusik und wollen schon lange nicht mehr als Spalter auftreten. Die Gesellschaft hat sich aber auch sehr verändert. Laute Rockmusik mit Gitarrenriffs im Radio sind kein Problem mehr… und genau das hat uns vielleicht auch für mehr Menschen interessant gemacht. Man sollte die Hosen als das nehmen, was sie sind. Nicht mehr und nicht weniger.“

„Wie nahe geht es dir, wenn ihr mal nicht „everybody’s Darling“ seid?“ möchte ich wissen.

„Ich glaube, da ticken wir wie die meisten normalen Menschen. Klar freut man sich, wenn man gemocht wird. Aber der Preis dafür darf nicht idiotisch hoch sein. Wenn es um grundsätzliche Themen geht, muss man sich den Dingen stellen. In dem Moment, wo es so leicht wäre, wie die Populisten in eine Richtung zu gehen,… kommt es darauf an, wie man reagiert. Das Ganze ist aber eine Sache, die jeder nur für sich selbst beantworten kann. Hier kann kein Mensch den anderen verurteilen. Manche Menschen halten mehr aus als andere.“

Und was wünscht Campino sich für 2019? „Am Ende sind es die banalen Sachen. Man hofft, dass man selbst und sein Umfeld gesund bleibt. Man hofft, dass wir als Freunde weiter in unserer Seifenblase vor uns hin existieren und auch, dass Europa ein wenig zur Ruhe kommt. Nachdem das Pendel in so vielen Ländern immer extremer ausschlägt, wäre es schön, wenn man sich wieder ein wenig findet und alle wieder mehr in die Mitte kommen. Dahin, wo wir hingehören.“

Liebe Hosen, liebe Preisträger, liebe Alle,

es war mir mal wieder ein Fest! Danke für eure Zeit und bis zum nächsten Jahr!

Liebst,

Conny