Gerne schloss ich in den vergangenen Jahren meine Artikel mit „Bis zum nächsten Mal“ oder „Wir sehen uns auf der Wiese vor der Hauptbühne“. Das kann ich diesmal nicht und jetzt, wo ich den Artikel beginne, graut es mir auch schon vor dem Ende, der letzten Redewendung, der rhetorischen Floskel. Aber nun zunächst zum Anfang, zum Tag auf der Wiese, zu allem was an diesem Samstag morgen noch vor uns lag.

Das Wetter, welches sich bereits die vorangegangenen Tage an keine Vorhersage gehalten hatte, präsentierte sich nun auch wieder überraschend stabil. Zuweilen türmten sich dunkle, bedrohliche Wolken in den Himmel, die dann doch keinen Regen brachten und als Suzan Köcher mit ihrer Band ein grandioses Konzert beendet hatte, riss es plötzlich auf und ein Sonnenstrahl traf mich unvorbereitet von der Seite. Ein gutes Zeichen!

Um uns herum hatte sich die Wiese bereits ordentlich gefüllt und Baloji, der belgische Rapper und Filmemacher, begeisterte mit afrikanischer Musik und einer lebendigen Performance, die die Zuschauer von ihren Decken riss und zum Mitmachen animierte.

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Auf der Young Talent Stage brachte danach die junge Band Drens das Publikum zum Rasen. Mit ihrem selbsternannten Surfpunk hatte die Band zuletzt 50 Auftritte in NRW absolviert und die Bühnenshow ließ an persönlicher Einsatzbereitschaft der beiden Sänger und Songwriter wenig vermissen. Fleißig wurde da zwischen Gitarre und Schlagzeug gewechselt und die erste Reihe der Fans bedankte sich mit anhaltender Tanzwut.

Faber beim Open Source Festival 2019/ Copyright: niveau-klatsch.com

Dām-Funk alias Damon Riddick brachte dann den Funk auf die Carharrt WIP Stage. Aufgewachsen in Los Angeles und nicht erst erfolgreich seit der Kollabo „7 Days of Funk“ mit Snoop Dogg traf er den richtigen Ton beim Publikum. Die Menge bewegte sich und der Funk lebte.

Auf der Hauptbühne machte sich nun Faber bereit. Der Schweizer Singer-Songwriter Julian Pollina, der mit seinem vor zwei Jahren erschienenen Debüt-Album auf seltsam perfekte Weise Indie, Folk, Klezmer und Balkanfolklore mischt, kommt bei den mittlerweile über 6000 Zuschauern auf dem Festivalgelände gut an. Hits wie „1000 Franken lang“ und „Wem du’s heute kannst besorgen“ werden frenetisch mitgesungen und vor der Bühne ist richtig Bewegung in den Reihen.

Während der Umbaupause zu SOHN, verlassen dann viele den Rasenhügel und kommen auch nicht zurück. Yves Tumor bespielt die Carharrt WIP Stage und Dote geben bei den jungen Talenten nochmal Gas.

Auf der Hauptbühne verabschiedet sich nun die Teamleitung um Philipp Maiburg und bevor der  Headliner Christopher Taylor dann mit seiner als Post-Dubstep und Electronica nur unzureichend  beschriebenen Musik die Bühne erfüllt, wird langsam klar, dass danach die Lichter angehen und die Ordner ein letztes Mal das Gelände räumen werden.

Wir haben uns mittlerweile bei Bambii in der hintersten Ecke des Festivalgeländes verschanzt und lassen uns von ihrem Mix aus Dancehall, House und Afrobeat durch die Nacht treiben. Aber auch hier werden wir gefunden und als die Musik verstummt, drängt sich eine Frage mehr und mehr auf:

Kann sich eine Stadt wie Düsseldorf ein Festival wie das OSF einfach nicht mehr leisten? Wir haben den Grand Depart 2017 überlebt und der Oberbürgermeister nannte einen Verlust von 7,8 Millionen Euro „sehr gut investiertes Geld“. Aber war es das? Ein Festival wie das OSF belebt die Stadt im Innern, macht es als Arbeitgeberstandort interessant und nährt die Kulturszene, die eine Stadt mehr braucht, als jeder Stadtkämmerer je zugeben würde.

Daher verbleibe ich dieses Jahr am Ende meines Artikels mit einem einfachen „Macht’s gut!“

Euer Carsten