„Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft sind Zeitreisen in die Vergangenheit prinzipiell nicht möglich. Bestehende Theorien, nach denen eine solche Reise möglich sei, sind spekulativ und umstritten. Unbestritten ist jedenfalls, dass die praktische Umsetzung derartiger Theorien durch den Menschen in absehbarer Zeit unmöglich ist.“… soweit das Online-Lexikon Wikipedia…

Am Freitag Abend jedenfalls hat eine Gruppe junger Musiker aus Kalifornien geschafft, was laut Aussage dieser Quelle nicht passieren kann. Binnen Sekunden katapultierte die Band das gesamte Auditiorium des Rheingold Saal in die Sixties. Mit ihrer authentischen Reproduktion des Sounds durch die Verwendung von ausschließlich in dieser Epoche hergestellten Gitarren, Verstärkern und Mikrofonen, erschuf das Quartett eine Musikstimmung, die irgendwo zwischen den Kinks, Love, The Animals und The Zombies mit einer Prise Beach Boys lag.

Darüber hinaus wurde auch durch Frisur und Garderobe der Musiker deutlich gemacht, wo die Reise hingehen sollte: in die Vergangenheit, die goldene Ära des Surf-Rock, des Psychedelic Sounds und des 60s Beat. Bei aller Treue zum Sound, zum Detail und der unverwechselbaren Stimmung der recht gleichförmigen Lieder, stellte sich aber nach einer Weile des Zuhörens eine gewisse Langeweile ein, denn dieser Sound war ohne Überraschungen, ohne Pointe. Stilsicher, aber auch emotionslos in Szene gesetzt, als wären die eigenen Stücke doch Cover-Versionen geliebter Vorbilder, die man eher wie ein rohes Ei behandeln sollte, damit sie nicht zu Bruch gehen und nach Abspielen wieder sorgfältig ohne Kratzer in der Plattenhülle verschwinden lässt.

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Lookman Adekunle Salami, kurz L.A. Salami

Nach dem Konzert wechselten noch einige Zuhörer den Austragungsort, um das Konzert von Lookman Adekunle Salami, kurz L.A. Salami ab 23 Uhr im NRW-Forum zu sehen. Der Londoner Singer-Songwriter kam an diesem Abend ohne Band und wurde lediglich live am Bass sowie durch eine Drum Machine begleitet. Das verlieh den Stücken starke Intimität und erzeugte bei den Zuschauern ein wohliges Gefühl. Viele setzten sich auf den Boden und verfolgten das entspannte Konzert des Duetts wie ein Abend am Lagerfeuer, bei dem spannende Geschichten erzählt werden.

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Der Folk-Rocker mit den nigerianischen Wurzeln sang über Rassismus in seiner Heimat, Jugendarmut sowie die unerschwinglichen Preise eines Lebens in London, den Terror und das Flanieren auf der Brick Lane, von dem er auch schon gehört hatte. Stark erinnerte seine Textfülle an den jungen Bob Dylan, aber gepaart mit einer klaren und leicht verständlichen Stimme.

Was fehlte an diesem Abend waren die rauen Riffs, die ein bisschen an die Babyshambles erinnern und dann aber auch wieder nicht, denn die Stimmung war gut und die Stücke entwickelten in der Ruhe ebenfalls ihre volle Wirkung, als würde die Stille rollen wie ein Sturm, über den sich die Stimme wie ein samtener Mantel legte. Ein Mann erzählte seine Geschichten und die Menschen hörten zu. Punkt.