Hallo, ihr Lieben!

In den letzten Tagen haben die Medien und ihre Vertreter ganz schön ausgeteilt und eingesteckt. Spätestens seit dem Flugzeugabsturz in den Alpen fragen sich viele Leser bzw. Zuschauer, was in der heutigen Zeit noch erlaubt ist und was nicht. Jedoch zieht auch der „Skandal“ (ist es einer?) um Andreas Kümmert seine Kreise. Dieser erlebt aktuell auf seiner facebook-Pinnwand einen Shitstorm nach dem nächsten und wehrt sich, indem er auf gleichem Niveau kontert.

Ich muss zugeben, dass ich von der BILD Zeitung noch nie eine wirklich gute Meinung hatte. Dieses pervers-aufgegeilte Ausschlachten von Tragödien, die sich in der Welt ereignen, gepaart mit den Spekulationen über eine mögliche Schwangerschaft von X- bis Z-Promis erschien mir schon immer ein wenig suspekt. Doch besonders im Zusammenhang mit einem der bekanntesten Flüge der Geschichte, der Flugnummer 4U9525, scheint es die BILD wirklich geschafft zu haben, auch die sensationsgeilsten Leser ein wenig abzuschrecken. Keine Frage: Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Wir möchten wissen, was in der Welt geschieht, wo Kriege geführt werden, wer gerade mit wem anbandelt und wer mit einem „R.I.P.“ auf facebook verabschiedet werden darf. Die Frage ist nur, wie weit diese Information gehen sollte. Oder anders: Reicht es mir nicht, zu wissen, dass auf der Gegenfahrbahn ein Auffahrunfall passiert ist? Muss ich mein eigenes Tempo auf ca. 40 km/h drosseln und gaffen, als hätte ich keinen Fernseher zuhause, der mich jeden Abend mit einem spannenden Krimi versorgen kann?

Ich für meinen Teil habe in diesem Tagen eine neue Definition des Wortes „Fremdschämen“ kennengelernt. Fremdschämen insofern, als dass plötzlich entfernte Verwandte, „Freunde“, Ex-Freundinnen und Menschen, die den Co-Piloten unter Umständen einmal in der Kneipe auf dem Klo gesehen haben, sich als Experten aufspielen, die ihn ja „ach-so-gut“ kannten und irgendwie auch immer schon wussten, dass sich ein derartiges Unglück ereignen würde. Die Grenzen zwischen Information und einem Suhlen in Aussagen, die -gelinde gesagt- keine Sau interessieren, verschwimmen immer mehr.

Einen Skandal im Kleinen gibt es seit ein paar Tagen auch wieder, wenn es um den ehemaligen „TVOG“-Sieger Andreas Kümmert geht. Dieser ließ, nach seiner Absage an Wien, auch ein Publikum von circa 500 Menschen in Groß-Gerau nach dem Soundcheck stehen. Aufgabe des Veranstalters war es nun, die Botschaft „Kümmert has left the building“ möglichst schonend mitzuteilen. Ärgerlich. Und auch hier wieder die Frage: Was dürfen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen bzw. ein Bestandteil der Medien sind?

Zugegeben: Die Beschimpfungen, die auf den Sänger einprasselten sind hart. Manche „Fans“ wünschen ihm den Tod, andere sagen, er solle sich einweisen lassen. Doch wie reagiert ein Mensch auf derartige Anfeindungen? Herr Kümmert giftet zurück. Mit mäßigem Erfolg… es scheint, als würde aus einem kleinen Shitstorm aktuell eine Spirale des Hasses.

Jaja, die Anonymität des Internet lässt viele von uns zu kleinen Hulks werden, die sich unter Umständen nicht darüber bewusst sind, dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist… die Welt der Medien übrigens auch nicht.

Und besonders in letzterem Fall ist die Frage, inwieweit der Paragraph 189 („Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“) unter Umständen im Falle des Co-Piloten greifen könnte.

Liebst,

Conny