„Abgeschlossen ist der Prozess des Zusammenwachsens erst, wenn wir nicht mehr wissen, wer die neuen und wer die alten Bundesbürger sind.“ (Willy Brandt)

Hallo, ihr Lieben!

Ich muss zugeben, dass ich dem Tag der Deutschen Einheit heute das erste Mal ein wenig skeptisch gegenüber stehe. Nicht, weil sich meine Meinung darüber geändert hätte, dass es sich damals um den einzig richtigen Schritt handelte, sondern deswegen, weil der Blick in die aktuellen Nachrichten mehr als nur skeptisch macht.

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Proteste hier, Politikerbeschimpfungen da… und als „i-Tüpfelchen“ brennende Autos und Demonstrationen in Dresden. Gerade in Dresden. In der Stadt, die ich seit Jahren so sehr lieben gelernt habe. Was ist los? Während die „Wessis“ auf facebook in den letzten Tagen immer wieder um ihre Soli-Euros hinterhertrauern, wird der durchschnittliche „Ossi“ zum Flüchtlingshasser, der die Mauer am liebsten gestern schonwieder aufgebaut hätte.

Polizei Archiv Bild

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Verallgemeinerungen allerorten. Und überall ein dezenter Hass, der sich doch so schön in Parolen wie „Wir sind das Volk!“ kleiden lässt. Die meisten Extremen sind hier jedoch nicht das Volk, sondern eben nur (und Gott sei Dank) ein kleiner Teil davon. Ich wette mit euch, dass der Großteil dieses Volkes eigentlich nur eines möchte: seine Ruhe. Dem Großteil des Volkes ist es sicherlich, auch in einem vereinten Deutschland, egal, ob der Nachbar ursprünglich aus Bayern oder aus dem Sudan kommt.

Und wisst ihr, was ich glaube, was das Gefährliche ist? Die Angst. Genaugenommen die Angst vor der Angst. Klar KÖNNTE ein Attentat passieren, klar könnte der Nachbar ein Psychopath sein… vielleicht gehen die Menschen sogar so weit, „Adam sucht Eva“ ins Dauerprogramm aufzunehmen. Fakt ist jedoch auch, dass Willy Brandt mit seinem „Wir sind jetzt in der Situation, wo wieder zusammenwächst, was zusammengehört.“ Recht hatte. Klar sind die Menschen „dort“ und „hier“ anders, haben teilweise andere Werte und Traditionen. Das gilt jedoch für das Ost-West-Verhältnis ebenso wie für die Beziehung zwischen Bayern und dem Rest der Welt auch. Es mag theatralisch klingen, aber…: Mit ein wenig Toleranz geht vieles leichter. Arschlöcher gibt es im Osten und im Westen.

berliner_mauer_niveau_klatsch

Berliner Mauer

Als die Mauer gefallen ist war ich neun Jahre alt. Neben mir saß ein Mann, der meinte „Das werden wir noch bereuhen.“. Damals habe ich die Klappe gehalten. Heute würde ich genau das nicht mehr tun. Man lernt nie aus. Ich habe jedoch auch schon ehemalige DDR-Bürger kennengelernt, die der Meinung waren, etwas Besseres als die Mauer hätte ihnen nie passieren können. Die dachten, es ginge ihnen damals besser. Jedem sei seine Sichtweise -und seine Mauer im Kopf- gegönnt. Gegen letztere kann jedoch wohl nichtmal David Hasselhoff ansingen.

Liebst,

Conny