Hallo, ihr Lieben!

Hinter jedem Festival steht ein Veranstalter, der nicht nur für die auftretenden Bands zuständig ist, sondern auch für das leibliche Wohl und die Sicherheit der Gäste sorgt. Niveau Klatsch unterhielt sich vor ein paar Tagen mit Castle Rock und Burgfolk Veranstalter Michael Bohnes, der gleich zwei Festivals jährlich auf die Beine stellt.

Wie es zu den Festivals kam und was organisatorisch dabei geleistet werden muss hat er uns bzw. der lieben Julia in diesem Interview verraten.

Viel Spaß und Vorfreude auf bevorstehende Events unter freiem Himmel!Julia: „Du veranstaltest pro Jahr zwei Festivals. Zum Einem das Castle Rock und zum Anderen das Burgfolk Festival. Wie findest du Zeit, zwei so große Events zu organisieren?“
M. Bohnes: „Durch cleveres Zeitmanagement natürlich. Allerdings ist es so: ich habe 2000 mit dem Castle Rock Festival begonnen und später kam das Burgfolk dazu. Es ist kein doppelter Aufwand beide zu organisieren, sondern nur geringfügig mehr Arbeit. Insofern, ob man nun ein oder zwei Festivals veranstaltet, ist der Aufwand nur formell ein wenig mehr.“

Julia: „Also typisch deutsche Bürokratie?
M. Bohnes: „Ja, es sind zwar noch mal elf Buchungen für Bands etc., aber es ist ja der gleiche Ablauf. Ob du nun das Castle Rock organisierst oder das Burgfolk: es ist der gleiche Vorgang. Ich mache das schon seit 16 Jahren und da hat sich eine gewisse Routine eingespielt. Wenn du dann dein richtiges Zeitmanagement und eine „To-Do“- Liste hast ist das zeitlich kein großes Problem.“

Copyright: Benjamin Schulz/ Black Fascination

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Julia :“Was hat dich bewogen nach dem Castle Rock noch das Burgfolk ins Leben zu rufen?“
M. Bohnes: „Wenn man sich die Anfänge des Castle Rock ansieht, war es ein bunter Genre-Mix aus Mittelalter, Rock, Gothic, Folk und Dark Rock. Im Jahre 2002, beim dritten Castle Rock, hatten wir eine boomende Kartennachfrage und konnten diese bei Weitem nicht befriedigen. Also haben wir überlegt, eine Genrespaltung vorzunehmen. Das Burgfolk ist die Expansion des Castle Rock Festivals.“

Julia: „Also ist das Burgfolk durch den großen Besucherandrang entstanden…“
M. Bohnes: „Im Jahr 2002 hatten wir In Extremo als Headliner für das Castle Rock und da hätten wir locker über das Doppelte der Karten verkauft. Zu diesem Zeitpunkt waren wir auch ziemlich schnell ausverkauft.“

Julia: „Neben mittelalterlicher Musik spielen die Bands landestypischen Folk. Was fasziniert an diesem Konzept?“
M. Bohnes: „Ich habe mir überlegt, dass ich kein reines Mittelalter Festival und kein reines Irish Folk Festival haben möchte. Wir haben den Bereich Folk sehr weitumfassend interpretiert. Es sollen unterschiedliche Arten von Folk präsentiert werden. Wir haben unsere weite Auslegung so nutzen können, dass auf unserem Festival sowohl Folk Metal, als auch Folk Hip Hop präsentiert werden kann. Es soll kein Folk Festival der alt herkömmlichen Art sein, sondern ein etwas anderes Festival. Ich denke, dass dieses Konzept, das 2003 eingeführt wurde, Anklang gefunden hat und von anderen Veranstaltern adaptiert wurde. Es gibt kaum noch reine Irish Folk Festivals und reine Mittelalter Festivals. Es hat sich ein wenig durchsetzt.“

Julia „Das Burgfolk Festival findet nunmehr zum 14. Mal statt. Erinnerst du dich noch an die Anfänge des Burgfolk Festivals und wie hat es sich entwickelt?“
M. Bohnes: „Am Anfang gab es noch nicht so viele Festivals in diesem Genre. Wir waren eines der ersten Festivals. Ich kann mich noch gut erinnern: das erste Burgfolk Festival habe ich versucht, innerhalb von drei Monaten zu organisieren, weil der Termin plötzlich frei wurde. Das war zuschauertechnisch natürlich das totale Desaster. Man bekommt kaum noch Bands, weil sie vergriffen sind. Bei dem zweiten Burgfolk haben wir in die Vollen gepackt und es war auch picke-packe voll, ausverkauft. Das Problem ist mittlerweile, dass es in diesem Genre wenig Headliner gibt. Das bedeutet, man muss sich immer neue Bands suchen und wir sind bekannt dafür, dass wir uns auf unserem Schloss unsere eigenen Headliner basteln. Insofern ist es recht spannend, aber du weißt selbst: bei Mittelalter Rock gibt es drei bis vier große Bands und dann kommt lange nichts. Ich hatte 2006 das erste Mal Korpiklaani dabei und da haben sie noch recht weit unten im Line Up gespielt. Heute ist es einer der Headliners, die wir für unser Festival aufgebaut haben.“

Julia: „Was muss eine Band tun bzw. liefern um auf dem Burgfolk auftreten zu dürfen?“
M. Bohnes: „Es gibt immer verschiedene Kriterien, die ich als Veranstalter berücksichtige. Zum Einen ist es die Verfügbarkeit bestimmter Bands, die mir Besucher bringen sollen. Das sind dann jene, die schon einen Namen in der Szene haben. Grundsätzlich müssen alle Bands einen Folk- oder Mittelalter- Touch haben. Dann die schwerste Hürde: Sie müssen mir gefallen.“

Julia: „Muss die Band den persönlichen Musikgeschmack treffen oder gibt es auch Kompromisse?
M. Bohnes: „Ich für meinen Teil schiele da nicht so sehr auf den Markt, sondern es muss MIR gefallen. Das ist bei beiden Festivals übrigens so.“

Copyright: Benjamin Schulz/ Black Fascination

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Julia: „Dich trifft man auch unter den Besuchern auf dem Gelände. Bist du nervöser bei Auftritten von Bands, die zum ersten Mal spielen als jene, die schon öfters auf dem Burgfolk gespielt haben? Gibt es da einen anderen Umgang?“
M. Bohnes: „Das ist in der Tat so, aber das liegt aber auch in der Natur der Sache. Bands, die schön öfters aufgetreten sind, wissen genau, wie es Backstage zu geht. Die waren aber auch irgendwann mal zuerst da. Bands, die zum ersten Mal auftreten, haben natürlich mehr Fragen und wollen viel wissen, was die organisatorischen Abläufe angeht etc. . Insofern ist es spannend, neue Bands kennenzulernen, aber auch entspannter, mit Bands zusammen zu arbeiten die schon öfters da waren. Man muss einfach nicht mehr so viel reden. Ganz einfach.“

Julia: „Wenn die Bands dann ihr Debüt auf dem Burgfolk haben bist du dann nervöser?
M. Bohnes: „Eigentlich überhaupt nicht. Letztendlich ist es immer noch eine Live Veranstaltung. Es kann immer noch was schief gehen. Es kann auch was schief gehen bei Bands, die schon einmal da waren. Dass ein Auftritt zum Beispiel aufgrund technischer Probleme in die Hose geht. Sobald eine Band auf der Bühne spielt ist alles gut.“

Julia: „Theoretisch kannst du dann dein Festival als Besucher genießen.
M. Bohnes:“Ich bin ja nicht der ganz normale Besucher. Ich versuche möglichst viel Spaß zu haben.“

Julia: „Das Burgfolk und Castle Rock sind im Gegensatz zu dem M’era Luna etc. recht klein und gemütlich. Gibt es auch Momente bei denen du enorm unter Stress stehst wie beispielsweise kurz vor dem Festival selber?“
M. Bohnes: „Diese Momente gibt es für Veranstalter immer. Das sind solche Momente, auf die man nicht vorbereitet sein kann. Ganz großer Stress ist es, wenn eine Band nicht pünktlich kommt,… vor allem wegen der Umstellung des Line Ups. Auch wenn die Künstler den falschen Flieger erwischt haben und an einem völlig anderen Zielflughafen ankommen als geplant. Solche Sachen verursachen dann doch Stress. Natürlich auch, wenn etwas passiert, wie wenn ein Besucher umkippt und von Sanitätern abgeholt werden muss. Das stresst den Veranstalter auch enorm. Denn kein verantwortungsvoller Veranstalter will, dass seinen Zuschauern was passiert. Das ist genauso als wenn ich zu Hause Leute einlade, da will ich auch, dass es allen gut geht.“

Julia: „Ich habe bei euch noch keine Sanitäter im Einsatz gesehen.
M. Bohnes: „Wir hatten letztes Jahr auf dem Castle Rock einen jungen Besucher, der einen epileptischen Anfall bekommen hat. Sowas kann immer passieren. Er musste dann auch mit dem Krankenwagen abgeholt werden. Es war gut, dass wir später erfahren haben, dass es dem jungen Mann auch wieder gut ging. Er war aber dann auch auf dem darauffolgenden Burgfolk Festival wieder da. Solche Sachen können passieren und die kann man auch leider nicht kontrollieren. Ein gewisses Risiko ist immer. Ich kann mir auch beim Treppen steigen den Hals brechen. Von daher…“

Copyright: Benjamin Schulz/ Black Fascination

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Julia: „Das Publikum im Allgemeinen ist auch ziemlich friedlich.
M. Bohnes: „Ich habe in den ganzen 15 Jahren auf den Festivals nicht einmal miterlebt, dass unsere Security wegen einer Rauferei oder ähnlichem ernsthaft eingreifen musste. Das Publikum ist absolut friedlich, freundlich, kultiviert und feierfreudig. Das beste Publikum, das es gibt. Jeder der schon einmal da war, du ja auch, der weiß, wie friedlich es ist.“

Julia: „Wenn du dir ein Traum Line Up zusammenstellen könntest. Wie würde das Aussehen oder wer muss einfach dabei sein?“
M. Bohnes (ironisch): „Ich liebe solche Fragen. Das ist immer schwer zu sagen. Es gibt vier große Bands in Deutschland, die müssten dann immer dazugehören. Im Ausland gibt es auch ganz tolle Bands. Ich versuche solche Fragen immer zu umgehen. Ich möchte keine Bands, die schon einmal aufgetreten sind dadurch degradieren. Es gibt ja für Eltern auch nicht ein Lieblingskind, sondern alle sind gleich.“

Julia: „Bevor das Burgfolk Festival stattfindet, wird das Schloß Broich gerockt. Dieses hat es wieder einmal in den TOP Ten der beliebtesten Festivals im Sonic Seducer geschafft. Neben diesem Top Grund, welche weiteren Gründe kannst du unseren Lesern nennen auch das Castle Rock zu besuchen?“
M. Bohnes: „Grundsätzlich muss gesagt werden, dass das Castle Rock in den TOP TEN ist, ist auch eine Leistung des Burgfolk Festivals. Beide Festivals sind Schwester-Festivals. Das Castle Rock war zuerst da. Hat auch vielleicht den berühmteren Namen, aber letztendlich ist die Schnittmenge des Publikums 50 % gleich. Es ist die gleiche Produktion, das gleiche nette Veranstaltungsteam. Es ist in dem Sinne das gleiche, nur die Musik ist anders. Atmosphärisch ist es aufgrund der Musik etwas zurückhaltender als das Burgfolk, aber dafür hat es eine dunklere Attitüde. Da es aber Schwester-Festivals sind, versprühen sie den gleichen Charme.“

Julia: „Also kann gesagt werden, wenn das Castle Rock in den TOP TEN ist, dann steht indirekt das Burgfolk auch drin?“
M. Bohnes: „Ich werte das für mich so, dass es auch ein Verdienst des Burgfolk Festivals ist.“