Hallo, ihr Lieben!
Damit die Besucher ein Konzert in vollen Zügen genießen können und sich nicht über verwackelte Smartphone Bilder ärgern müssen sind sie zur Stelle: Konzert Fotografen. 
Sie schaffen es, das Feeling und die Atmosphäre festzuhalten. 
Niveau-Klatsch hat sich mit der bekannten Konzert Fotografin Mandy Privenau unterhalten. 
Sie erzählt und wie alles begann und wie viel Arbeit hinter dem perfekten Foto steckt.

Julia: „Wann wurde die Leidenschaft zur Fotografie entfacht?“ 
Mandy: „Das war bereits im Jahre 2000. Es gab einen oder eher mehrere herbe Verluste in meiner Jugend, welche mich nachhaltig prägten. Ich habe versucht mich zwanghaft an gemeinsame Tage zu erinnern, Erlebnisse nachzuvollziehen und es fiel mir allein durch die Gedanken schwer. Es gab nur wenige Fotos schöner gemeinsamer Zeiten und das wollte ich ändern. Ich wollte nie wieder etwas Schönes und für mich Wertvolles unbemerkt an mir vorbei ziehen lassen und begann, alles für mich Wichtige festzuhalten. Es ging mir darum Erinnerungen zu konservieren.“

Mandy Privenau

Julia: „Was war das erste Foto was du jemals geschossen hast?“ 
Mandy: „Ich fand fotografieren schon immer schön. Ich denke es war ein Foto meiner Haustiere. Ich erinnere mich an sehr alte analoge Bilder von unserem Kleingarten und eben meinen Haustieren. Da war ich ca. 6 Jahre alt. Etwas in der Art wird es gewesen sein. Mittlerweile fotografiere ich bewusst seit ca. 14 Jahren und lichte nahezu alles ab. Konzerte nehmen von der Zeit her den größten Teil in Anspruch, des Weiteren mache ich aber auch Hochzeiten, Pärchen, Portraits, Babys, Schwangere, Industrieruinen, Haustiere, Architektur, Werbeaufnahme etc..“

Julia: „Auf welchem Konzert hast du die ersten Bilder gemacht?“ 
Mandy: „Das war auf einem Konzert in der Schweiz am 11.08.2005 im Werk21. Ich war eigentlich in den Sommerferien zu Besuch bei Annie Bertram, eine großartige Fotografin und Freundin, und sie schleppte mich mit zu diesem Konzert von The Birthday Massacre und Metallspürhunde. Hier habe ich Blut geleckt, denn nahezu jedes Foto war unbrauchbar. Das musste ich besser machen!“

Julia: „Gibt es Künstler, die besonders fotogen sind? Gibt es auch welche die es nicht sind?“
Mandy: „Ich kann z.B. Elektromusikern, die sich nur hinter ihrem Notebook verstecken, und mit dem Kopf nicken nichts abgewinnen. Es gibt Künstler die nicht sonderlich viel Mimik haben oder sich wenig bewegen. Da bleibt die Motivvielfalt natürlich beschränkt. Fotogen sind in meinen Augen eigentlich alle. Das ist ja mein Job: die Schokoladenseite eines jeden zu erkennen und hervor zu heben, ganz gleich, ob es sich um ein Naturtalent oder eher ein graues Mäuschen handelt.“

Mandy Privenau

Julia: „Immer wieder wollen Personen umsonst ein Shooting haben, „nichts Besonderes“ heißt es meist. Wie reagierst du auf solche Menschen und warum?“ 
Mandy: „Ich reagiere angemessen bestimmt und erkläre die Hintergründe, würde ich sagen. In der Zeit, wo ich kostenfrei ein Shooting machen würde, „verschwende“ ich produktive Arbeitszeit, die ich jemand anderem in Rechnung stellen könnte. Auch ich habe Rechnungen zu bezahlen, Miete, die Technik muss erhalten und bezahlt werden, Benzin etc.. wird mir ebenso nicht geschenkt. Wer es nicht versteht, dass es sich bei der Fotografie ebenso um eine Dienstleistung handelt wie bei allem andern auch, dem kann ich leider nicht weiterhelfen.“

Julia: „Ebenso gibt es Menschen die glauben, dass Fotografen „nur knipsen“ müssen. Doch welche Arbeit steckt wirklich dahinter? Wie viel Zeit hast du?“
Mandy: (lacht) „Es geht ja darum, nicht nur zu Knipsen, sondern einen eigenen Stil zu entwickeln und seine Bilder einzigartig zu machen. Es wäre super, wenn es mit ein bisschen Knipsen abgegolten wäre. Speziell bei den Konzerten hängt richtig viel Aufwand dahinter. Im Vorfeld müssen Berichte geschrieben werden, Vorankündigungen, Promotion, dann stellt man eine Anfrage an den Veranstalter, um überhaupt fotografieren zu dürfen, wobei es schon schwer ist, den korrekten Ansprechpartner zu finden. Wenn es genehmigt ist, sitzt man teilweise stundenlang im Auto (ok, das ist jedem selbst überlassen…), drängt sich in vollen Hallen an allen vorbei um 3 Songs lang im Fotograben hoffentlich das perfekte Bild zu erhaschen. Nach den drei Songs gehts wieder nach Hause, Bilder exportieren, selektieren, bearbeiten, Nachbericht schreiben und alles veröffentlichen. Geplante Shootings sind ebenso in der Vor- und Nachbereitung aufwändig. Locations suchen, Ideen entwickeln, Requisiten und Lichttechnik ranschaffen, warten dass die Modelle fertig sind, auf Umwelteinflüsse achten und teilweise warten bis diese perfekt sind, und dann natürlich auch wieder die Nacharbeit am Foto. Einfach Knipsen wär ein Traum.“

Mandy Privenau

Julia: „Im Laufe deiner Karriere hast du schon sehr viele tolle Fotos geschossen. Gibt es ein Foto, auf das du besonders stolz bist?“
Mandy: „Das gibt es. Ich war stolz als ich es „erwischt“ habe, aber noch viel wertvoller wurde es dadurch, dass es der abgebildete Künstler als „das beste Live Foto, was er je gesehen hat“ bezeichnete. Und zudem war dies für mich der AHA-Moment in der Musikszene als Fotograf angekommen und wahrgenommen zu werden.“

Julia: „Gab es schon einmal ein Event, bei dem es schwierig war, Fotos zu machen?“
Mandy: „Viele Indoor Events sind schwer abzulichten, da hier die Lichtbedingungen nicht gut sind. Besonders schwer sind Bands, die ausschließlich Strobo Licht verwenden. Beispielsweise DIVE. Hier muss man wirklich Glück haben, dass die Pose, die Reaktion am Auslöser und der Bruchteil an Strobolicht zusammen passen. Prinzipiell hat aber jedes Festival seine lichten Momente, im wahrsten Sinne des Wortes.“

Julia: „Wie sieht das ideale Bühnenbild für perfekte Fotos aus?“
Mandy:“ mhmh… ein wenig Frontlicht, ein guter Lichttechniker der mit Movingheads und Followern umgehen kann, wenig Strobo, gut dosierter Nebel (ohne Nebel keine Stimmung und keine Lichteffekte)… und vom Bühnenbild selbst ist dann alles erlaubt. Leinwände, Aufsteller, Statisten, Tänzer, aufwändige Installationen etc.. Bitte nur keine blauen, roten oder pinken LED Sports direkt hinter dem Künstler. und dann natürlich bitte noch ein hochmotivierter, dynamischer und posingsicherer Künstler! So könnte das mit dem perfekten Foto klappen.“

Mandy Privenau

Julia: „Was für Tipps kannst du an die Nachwuchsfotogragen weitergeben?“
Mandy: „Ich werde oft gefragt, was denn mein Geheimtipp ist. Ehrlich gesagt, gibt es das nicht. Es ist kein Geheimnis, was ich hier tue. Man muss seine Kamera blind kennen, wissen welche Einstellungen welche Auswirkung haben (bitte manuell arbeiten und nicht mit Automatiken) und üben, üben, üben. Selbstkritik ist hilfreich, um sich wirklich auch weiterzuentwickeln. Wichtig ist auch der Anspruch, das perfekte Bild zu fotografieren und nicht, es in der Nacharbeit zu erzeugen.“

Julia: „Welche Wünsche hast du für 2015?“
Mandy: „Ich bin im September umgezogen und lebe nun in Hamburg. Ich wünsche mir hier noch viele Kontakte zu knüpfen, beruflich mehr und mehr in der Fotografie umzusetzen und verschiedenste Projekte zu realisieren. Ich möchte Hamburg erleben, das erste Mal zum Wacken Festival als Fotograf gehen können und mit dem, was ich tue glücklich werden. Wünsche sind in meinen Augen nur Meilensteine oder Ziele, die man sich selbst setzt, um eine Orientierung zu haben. Denn darauf muss man ganz allein hinarbeiten und seinen Wunsch Wirklichkeit werden lassen. Lebe deinen Traum und wage den nächsten Schritt! Thats it!“