Hallo, ihr Lieben!

Wir geben es ja zu: an manchen Tagen macht uns das deutsche Musikbusiness nicht mehr allzu viel Hoffnung, … auch wenn Daniel Danger aktuell mit seinem „Kleine Maus“ fest in unseren Ohren sitzt.

Trotzdem gibt es (Gott sei Dank!) auch noch Bands, die immer präsent sind. Weil sie auf Tour gehen? Weil sie im Radio gespielt werden? Weil sie authentisch sind? Jupiter Jones vereinen alles, was man von einer erfolgreichen Truppe im Musikbusiness erwartet. Sie schaffen den Mix aus „sich selbst treu bleiben“ und dem Neubeschreiten künstlerischer Wege. Zudem sind sie so sympathisch, dass man bei ihnen das Gefühl hat, mit den Jungs von nebenan zu quatschen. Starallüren? Keine Spur! „Brüllende Fahnen“ ist der beste Beweis dafür, dass die Band erwachsen geworden ist, keinen Wert darauf legt, „nur“ Mainstream zu sein und ihren Fans trotzdem so viel zurückgibt.

Dennis hat sich mit Sven und Marco unter anderem über das aktuelle Album, den Weg vom Fan zum Sänger und die aktuelle politische Lage unterhalten.

Liebst,

Conny

Dennis: „Ende März ist euer neues Album ‚Brüllende Fahnen‘ auf den Markt gekommen, welches etwas dunkler oder ernster daherkommt. Welche Thematiken haben großen Einfluss auf eure Musik?“
Sven: „Was auf jeden Fall jetzt beim neuen Album ein großer Einfluss war, war die politische Entwicklung in Deutschland, die uns ziemlich viele Sorgen bereitet. Dann gibt es natürlich auch ein paar persönliche Themen auf dem Album. Die müssen jetzt im Speziellen nichts mit einer Krankheit zu tun haben. Aber es gibt so viel ‚Lala‘-Musik im Radio, die rauf und runter läuft. Das war diese Band nie und das wird sie auch nie sein.“
Marco: „Es war uns echt wichtig, dieses Mal auch politische Themen aufzugreifen. In der linken Punkrock-Szene gibt es das zuhauf. Es gibt genügend kleinere und größere Bands, die sich da stark machen und sich engagieren. Was uns fehlt, ist so etwas im Mainstream und speziell auf dem Radiomarkt, da hat man irgendwie das Gefühl, es will sich keiner die Finger verbrennen. Ganz seltsam, das finde ich schade. Unserer Meinung nach könnte da viel mehr gemacht werden. Kleinere Bands machen so viel und sind so schwer aktiv und im Mainstream fehlt uns das irgendwie. Auch da gibt es natürlich Künstler, die sich engagieren, man darf jetzt nicht alle über einen Kamm scheren. Man hat irgendwie das Gefühl, die Leute wollen sich, wenn sie Radio hören, eher von einer heilen, schönen Welt berieseln lassen.“
Sven: „Was ja auch nachvollziehbar ist! Wenn du den Fernseher anmachst, kriegst du natürlich den Hass in Tüten vorgezeigt. Da kann ich das schon irgendwo verstehen.“

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Jupiter Jones beim Rett Benefiztag 2016

Dennis: „Gerade jetzt auch im Falle von Düsseldorf… schließlich sind vor einiger Zeit erschreckende Nachrichten bezüglich geplanter Anschläge veröffentlicht worden. Da verstehe ich schon, wie ihr das meint, dass sich mehr getraut werden und die Komfortzone verlassen werden sollte.“
Sven: „Angst ist ein ganz schlechter Motor und Angst wird in diesem Land gerade geschürt. Teilweise auch zurecht, aber größtenteils zu Unrecht. Wenn sich aber jeder nur noch zurück in seine Welt einwickelt und gar nicht mehr über den Tellerrand gucken will, dann verliert man gerade jetzt das Wesentliche aus den Augen. Deswegen muss man sich mit kritischen Dingen auseinandersetzen und im entscheidenden Moment auch den Mund aufmachen und sich nicht zurückziehen. Das würde ich mir wünschen,… dass das noch mehr Leute tun würden.“
Dennis: „Jetzt ist es ganz gut, dass ich euch beide hier sitzen habe. Was hat sich für dich, Sven, mit deinem Eintritt in die Band verändert und was hat sich für euch, Marco, als längere Band-Mitglieder verändert?
Marco: „Für uns hat sich sehr viel positiv verändert, weil wir im Moment eine sehr gute Energie in der Band haben. Wir haben wirklich ein tolles Freundschaftsgefüge. Es hat sich mit dem alten Sänger einfach ein bisschen auseinandergelebt, man hat sich musikalisch und menschlich entfernt. Die Krankheit hat dann noch ihr I-Tüpfelchen dazu beigetragen. Die Band war einfach in einem desolaten Zustand und es war klar, dass ein Cut gemacht werden muss. Für uns war Sven dann auch die einzige Wahl. Ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster zu sagen, dass, wenn Sven es nicht gemacht hätte, es die Band nicht mehr geben würde, weil wir keine Band sind, die einen Sänger gecastet hätte. Jupiter Jones steht schon immer für eine Freundschaft und für vier Typen, die wirklich an einem Strang ziehen und menschlich und musikalisch eine schöne Zeit zusammen haben. Es fühlt sich fast wieder wie an Tag 1 an, als hätte man tatsächlich eine neue Band, denn es ist wieder so viel Energie und Power da.“
Sven: „Wie so eine gemeinsame Jugendzeit in der Eifel, wo man sich musikalisch austauscht und etwas erlebt. Das kannst du auch nicht so einfach nachbauen. Das hat man entweder oder man hat es nicht, da gibt es nicht so viele Alternativen.“
Marco: „Ja genau!“

rett-benefiztag_2016_030Dennis: „Und wie war das für dich, Sven? Wenn man als langjähriger Freund dabei ist und die Musik und die Band begleitet, ist das ja eine Sache. Aber es ist ja wahrscheinlich doch ein Schritt ins Ungewisse…“
Sven: „Naja, es ist schon ein Unterschied, ob du als Zuschauer bei einem Konzert mitsingst oder selbst als Lead-Sänger da rumspringst. Das ist schon eine andere Nummer. Das musste ich auch erst einmal schmerzhaft erfahren, dass das alles nicht so einfach ist. Um auf die Frage zurückzukommen, was sich in den letzten zwei Jahren für mich verändert hat,… natürlich eine Menge. Vor allem im Privatleben, man lag in den letzten zwölf Jahren ja nicht auf der faulen Haut, sondern ich habe auch mein Leben aufgebaut, mit Familie und Kindern. Da musste man in den letzten zwei Jahren erst einmal reinwachsen. Ich habe noch einen anderen Job, ich habe eine Firma und will diese nicht aufgegeben, sondern habe noch Leute eingestellt, damit ich Musik machen kann. Das ist natürlich nicht ganz so einfach, alles unter einen Hut zu kriegen, aber ich habe eine sehr verständnisvolle Frau und mittlerweile Kinder. Wobei man dieses Verständnis auch nicht überstrapazieren darf. Von daher sind die auch ganz froh, wenn ich auch mal wieder zu Hause bin. Aber ich glaube, mittlerweile sind alle ganz gut angekommen.“

Dennis: „Das Gute war ja für dich wahrscheinlich, weil du als Freund dabei warst, dass du dir Texte ganz gut merken konntest…“
Sven: „Ja, aber nicht so gut, wie ich dachte.(lacht)“
Marco: „Die Bands, die so locker auf der Bühne wirken, wo man so denkt: „Boah, das fließt gerade total locker aus denen heraus!“,… das ist alles harte Arbeit. Man kommt relativ schnell bis zu einem gewissen Punkt und dann kommt man aber mal ins Stocken. Dann die nächsten Schritte zu gehen ist halt einfach Kleinarbeit und es darf in einer Band auch einfach keine Egos geben, das ist total fehl am Platz.“
Sven: „Aber die gibt’s und das ist dann manchmal nicht so einfach. Man arbeitet einfach das bestmögliche Endergebnis heraus.“
Marco: „Genau, man kann austeilen, muss aber auch einstecken. Das haben wir über die Jahre auch gelernt. Da hat sich etwas entwickelt. Wir haben uns früher auch mal richtig gefetzt.“
Sven: „Aber das ist auch der Unterscheid: Ihr seid eben da über die Jahre reingewachsen und ich kriege von heute auf morgen eins in die Fresse (lacht).“