Heyho, ihr Hübschen!
Im Mai lud das ZDF zu einer besonderen Veranstaltung ein und stellte zwei neue Sitcoms vor, die während der Sommerpause der „Heute Show“ gezeigt werden. Zum einen startete am 5. Juni die sechsteilige Serie „…und dann noch Paula“ mit Amelie Plaas-Link und Alexander Schubert um 22:30 Uhr, danach geht es mit der ebenfalls sechsteiligen Sitcom „Ellerbeck“ weiter, in der Cordula Stratmann die Hauptrolle spielt und die am 24. Juli losgeht.
Ich hatte vor Ort die Gelegenheit, mit Amelie Plaas-Link und Alexander Schubert über die Serie zu sprechen. Dabei ging es vor allem um die beiden Hauptcharaktere Oliver und Paula, laute Musik und die Zusammenarbeit der Darsteller im Allgemeinen.
Vielen Dank noch einmal an Amelie Plaas-Link und Alexander Schubert für die Zeit und euch viel Spaß beim Lesen!
Ich wünsch euch was,
Dennis

Dennis: „Vielen Dank für dieses Interview. Am besten stellt ihr erst einmal eure Rollen vor!“
A. Plaas-Link: „Paula ist ein 17-jähriges Mädchen, aufgewachsen in Köln-Chorweiler. Sie lebte dort mit ihrer alleinerziehenden Mutter, die psychische Probleme hatte, gerne mit Aliens telefonierte, und so weiter. Jetzt ist jedoch der Punkt erreicht, an dem sie eingeliefert wird, weswegen Paula ihrem letzten, zurückgebliebenen Erziehungsberechtigten zugewiesen wird, den bisher nicht kannte, ihrem Vater. Zu dem geht sie dann und möchte gerne ihre letzte Zeit der „Noch nicht“-Volljährigkeit bei ihm verbringen. Dies führt dann zu einigen Problemen.“
A. Schubert: „Ja, ich bin der letzte Erziehungsberechtigte. Ein Koch, der vor kurzem wegen Burnout behandelt wurde und die ärztliche Auflage bekommen hat, kürzer zu treten und es ruhig angehen zu lassen. Dies wäre grundsätzlich schon für ihn ein Problem, gäbe es da nicht „und dann noch Paula“ – merkste?(Wortspiel, lacht) – die ihm das Leben noch schwerer macht zu machen, als es vorher ohnehin schon war. Und somit haben wir eine dauerhafte Konfliktsituation.“

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Oliver (Alexander Schubert) erfährt nach 17 Jahren, dass er eine Tochter hat. Und Paula (Amelie Plaas-Link) will auch noch direkt bei ihm einziehen.Copyright: ZDF/Frank Dicks

Dennis: „Was ist das Besondere für Sie an der Serie?“
A. Schubert: „Serien-Formate haben gerade Hochkonjunktur… und das ist tatsächlich auch eine wirklich schöne Sache, zumal jetzt auch langsam in Deutschland die Geschichten in Serien
modern und filmisch hochwertig umgesetzt werden. so erzählt, wie es der Zuschauer gerne hätte. Insofern -toi toi toi-, dass wir das auch hinbekommen haben. Man hat natürlich auch inhaltlich viel mehr Möglichkeiten, als wenn man sich auf 90 oder 120 Minuten beschränken muss. Man hat schon länger etwas davon, das ist toll.“

Dennis: „Das ist wahrscheinlich auch dann das Besondere an einer Hauptfigur einer Sitcom. Einfach, weil man die Figur viel länger leben kann?“
A. Schubert: Ja, auch weil sich die Leute an eine Serienfigur gewöhnen können. Man stelle sich vor, „Big Bang Theory“ wäre nur 90 Minuten lang. Das wäre sicher ein schöner Film, aber die Langzeitwirkung stellt sich nur über die Serie her.“
A. Plaas-Link: „Und man hätte halt Vieles nicht erzählen können, was schade gewesen wäre.“

Dennis: „Wie genau lief die Zusammenarbeit zwischen Ihnen?“
A. Plaas-Link: „Wir haben uns beim Casting kennengelernt und dann hatten wir eine sehr schöne Probezeit zusammen und ein paar Tage mit dem Regisseur. Das war für uns sehr gut, weil wir dann schon mit einem Bonding reingegangen sind, sodass wir schon wussten, wer wir sind und wie wir ungefähr arbeiten. Darauf haben wir dann immer weiter aufgebaut und ich glaube, mittlerweile verstehen wir uns ganz gut. (lacht).“
A. Schubert: „Absolut. Ich glaube es ist wichtig, dass man sich im Vorfeld kennenlernt. Das ist hilfreich, weil einem dann beim Spiel miteinander kleine Vertrautheiten einfach passieren… die das Ganze glaubwürdiger und realistischer machen. Also, man spielt beispielsweise keine Bettszene mit jemanden, den man vorher noch nie gesehen hat. So.“

Dennis: „Dies könnte man ja dann als besondere Vorbereitung sehen, oder? Ein Vater-Tochter-Verhältnis ist ja etwas Besonderes.“
A. Schubert: „Eine Vorbereitung, die uns der Sender, die Produktionsfirma und auch der Regisseur geschenkt haben, was tatsächlich nicht die Regel ist.“
A Plaas-Link: „Obwohl natürlich trotzdem auch dann in der Serie erzählt wird, dass wir uns immer mehr aneinander annähern. Wir hatten dieses gute Verhältnis im Arbeitsumgang. Es war gut, dass wir uns vorher schon kannten. Aber in der Serie tasten sich ja auch Paula und Oliver immer mehr aneinander an. Es ist schön, dass dann nachzuvollziehen.“
A. Schubert: „Durch eine gewisse Vertrautheit ist das dann auch leichter zu spielen.“
A. Plaas-Link: „Genau. Wenn diese Vertrautheit da ist, kann man wieder ein paar Schritte zurückgehen im Spiel. Aber ist diese Vertrautheit da, kann man dann auch schönere Momente einfangen und ist viel offener.“

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Oliver (Alexander Schubert) und seine Tochter Paula (Amelie Plaas-Link). Copyright: ZDF/Frank Dicks

Dennis: „Ich habe bisher die erste Folge gesehen und die Szene im Supermarkt ist da, glaube ich, ein gutes Beispiel. Wo beide zusammen weglaufen. Da entsteht ja relativ schnell schon eine Bindung.“
A. Plaas-Link: „Das ist ein Knackpunkt für die beiden.“
A. Schubert: „Auch, dass die Beiden sich ergänzen, ist ja das Schöne. Jeder vertritt zwar seinen Standpunkt, wie das im täglichen Leben eigentlich jeder versucht, aber – ohne, dass sie es vielleicht wissen – tun die beiden sich gegenseitig gut. Das wollen sie nur noch nicht so richtig wahrhaben. Sie fühlen es vielleicht in sich drin, aber sie würden es niemals zugeben.“

Dennis: „Noch eine Frage zur Rolle von „Oliver“. Dieser hatte ja Burnout, dies ist ein allgegenwärtiges Thema und eine sehr aktuelle Krankheit. Gab es da eine spezielle Vorbereitung?“
A. Schubert: „Letztendlich nicht, weil Oliver ja als geheilt entlassen wird. Dieses Burnout ist ja nur die Backstory, die die Figur hat. Sicherlich ein ernst zu nehmendes Thema, was aber für die Sitcom in eine -sagen wir mal humorvolle Umgebung- transferiert wurde. Insofern habe ich mich da nicht speziell vorbereitet, außer, dass ich diese Situation kenne, wo man sich ausgepowert fühlt – ohne, dass man aber tatsächlich die Diagnose Burnout bekommt. Mal ruhig zu machen und etwas mal kürzer zu treten ist letztendlich eine Sache, die wir alle hin und wieder machen sollten. Am besten bevor wir es ärztlich verordnet kriegen.“

Dennis: „Jetzt läuft die Serie während der Sommerpause der „Heute-Show“, sechs Folgen insgesamt. Besteht der Wunsch, vielleicht noch einmal zusammen zu kommen?“
A. Plaas-Link: „Absolut, wir haben beide extrem viel Lust und sind jetzt einfach mal gespannt, wie die Serie ankommt. Dann schauen wir mal weiter, würde ich sagen.“
A. Schubert: „Ich glaube, alle, die mitgemacht haben, hätten Bock weiterzumachen. Das wird natürlich auf anderer Ebene entschieden, aber wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft.“

Dennis: „Die Geschichten sind zwar vorgeschrieben, aber gibt es beim Dreh vielleicht manchmal den Moment, dass man etwas Bestimmtes vielleicht noch verarbeiten oder erzählen möchte, was auch zur Figur passen könnte?“
A.Schubert: „Michael G (Gantenberg), der die Bücher geschrieben hat, hat sich auch im Vorfeld immer bemüht, Input von uns zu bekommen. Ganz einfach, weil man als Schauspieler ein Gespür für Emotionalität und die innere Logik der Figur entwickelt und das natürlich auch den Geschichten zugute kommt. Es kann dann auch schon mal vorkommen, dass man beim Dreh hier und da etwas hinimprovisiert, was so nicht im Buch gestanden hat.

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Oliver (Alexander Schubert) erfährt nach 17 Jahren, dass er eine Tochter hat. Und Paula (Amelie Plaas-Link) will auch noch direkt bei ihm einziehen.Copyright: ZDF/Frank Dicks

Dennis: „Was war der schönste Moment für Sie beide?“
A. Schubert: „Hehe, die klassische Frage. Es ist wirklich schwer zu sagen. Die ganze Zeit war sehr intensiv. Wir haben zwei Monate durchgeknüppelt. Nach etwa 40 Tagen ist dann Drehschluss
und denkst: „Was haben wir denn eigentlich hier alles gemacht?“ Wenn dann das Feedback auf die fertigen Folgen so ist wie erhofft, ist DAS eigentlich der schönste Moment.“
A. Plaas-Link: „Auf jeden Fall: diese Gesamterfahrung. Im Endeffekt verschwimmt jetzt alles in der Endwahrnehmung, weil wir eben auch durcheinander gedreht haben – aber ich persönlich mochte sehr die Szene am Ende der ersten Folge. Nach dem Verfolgungsmanöver mit dem Bus. Ich mag immer die Momente, wo sich die beiden trotz dem ganzen Hin und Her-Gezicke immer wieder annähern. Das war sehr schön. Dadurch, dass wir auch so viele tolle Episoden-Rollen dabei hatten, blieb es immer spannend. Es kam immer jemand Neues dazu, der das dann schön ausgefüllt hat, was man sich dann im Buch erlesen hatte. Das war immer spannend mitanzusehen und dann darauf zu reagieren.“
A. Schubert: „Du hast in der Drehphase aber kaum die Zeit, zu reflektieren. Du kommst sehr selten in diese Situation, wo du sagst: „Boah, das war jetzt aber lustig!“. Es ist vielmehr nur eine Ahnung, dass diese oder jene Szene gelungen ist.“
A. Plaas-Link: „Es hat auch immer eine unterschiedliche Qualität. Also es hat eine ganz wunderbare Qualität, wenn wir beide alleine sind, das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Aber es war auch ganz toll, wenn dann der Rest der Familie dazu kommt in diesen größeren Szenen spielt. Man merkt dann zwar, dass sich das gut anfühlt, aber dann geht es ja -wie gesagt- auch direkt weiter und dann ist wieder etwas Anderes. Also es war sehr abwechslungsreich und sehr schön.“

Dennis: „Ist das denn dann vielleicht auch eine Schwierigkeit der Rolle?“
A. Schubert: „Absolut. Gerade die Komödie, Sitcom in diesem Fall, gilt ja als Königsdisziplin. Es ist nicht so einfach, Menschen zum Lachen zu bringen. Das ist die ewige Herausforderung. Ich will das jetzt nicht herunterspielen, aber beim Drama gibt es viele Schattierungen in der Wirkung, ob etwas gut oder nicht so gut gelungen ist. Bei der Komödie gibt es: Entweder ist es lustig, dann muss ich lachen, dann ist es gut. Oder es ist nicht lustig. Dann muss ich nicht lachen, dann ist es schlecht. Dazwischen gibt es nichts. Dafür gibt es dann auch kein Mitleid. Wenn da „Komödie“ drauf steht, dann möchte ich bitteschön lachen müssen. Und das muss man erst einmal schaffen.“

Dennis: „Gibt es Szenen, in denen man sich selbst wiedererkennt? Es gibt diese Szene, wo sie voller Wut in ihr Zimmer rennt und erst einmal Rammstein mit „Mein Teil“ anmacht. Da musste ich mich sehr an meine Pubertät erinnern und habe ich mich sehr gefreut.“
A. Plaas-Link: „Absolut. Paula ist tatsächlich eben auch „nur“ ein junges Mädchen, das einfach jemanden sucht, der sich um sie kümmert, Anteil nimmt und ihr vielleicht auch mal hilft. Sie hat im Leben irgendwie alles immer selber gemacht. Und wir alle kennen das: Auch, wenn wir immer alles alleine machen wollen, ist es ganz schön, wenn mal jemand sagt: „Komm, wir gucken uns das mal zusammen an. Ich helfe dir mal.“ So reagiert sie natürlich auch auf Zurückweisung wie wir alle. Wir wollen nicht zurückgewiesen werden. Wir wollen, dass die Leute uns haben wollen und wenn Oliver da irgendwie hinterfragt, ob er sie bei sich haben will, ist sie natürlich in ihrem tiefsten Inneren total verstört. Das kennen wir alle als Teenager, wir wollen eigentlich, obwohl wir alle von uns wegschubsen, nur in den Arm genommen werden. Dann wird die Musik angemacht und die harte Fassade rausgehangen und die Zunge rausgestreckt, aber im Grunde genommen ist es ja ein Schrei nach Liebe. Sie hätte auch genauso gut die Ärzte anmachen können.“

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In einer turbulenten Vater-Tochter-Beziehung: Alexander Schubert als Oliver Rettler und Amelie Plaas-Link als Paula Lewandowski in der ZDF-Sitcom „… und dann noch Paula“.Copyright: ZDF/Frank Dicks

Dennis: „Gab es da auch persönliche Bindungen zur Musik?“
A. Plaas-Link: „Rammstein nicht direkt, aber wir haben während dieser Vorbereitungszeit auch mit Musik gearbeitet. Wir haben auch selber Musik mitgebracht, die uns mit der Rolle und mit uns selbst verbindet. Ich persönlich habe auch viel Rock gehört und höre auch viel Rock. Da habe ich natürlich auch als Teenager sehr oft, sehr laut Rock-Musik gehört. Entweder, um meine Eltern aus meinem Zimmer rauszuhalten oder einfach, weil ich es toll fand, das war halt immer tagesformabhängig. Aber ja, das kenne ich auch. Ich habe meine Mutter auch oft nicht nach mir rufen hören, weil die Musik so laut war. (lacht)“
A. Schubert: „Rammstein wäre für Oliver Rettler total indiskutabel, also, das hat für ihn überhaupt nichts mit Musik zu tun.“

Dennis: „Sie haben ja beide schon sehr viel gemacht. Würden Sie sich in diesem Serien-Format gerne öfters sehen?“
A. Schubert: „Diese Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht. Natürlich wünscht man sich, dass es so gut ankommt, sodass wir das auch noch eine zweite Staffel machen dürfen. Auch, weil wir noch nicht alles erzählt haben. Man kommt vielleicht irgendwann an dem Punkt, wo diese „Vater-Teenager“-Sache ausgereizt ist. Aber innerhalb einer Familie mit so unterschiedlichen Charakteren hat man eigentlich ständig Programm. Und gerade, wenn man als Schauspieler seine Figur gefunden hat, macht es Riesenspaß diese auch weiter zu erzählen.“

Dennis: „Ist es dann vielleicht auch reizvoller als ein Langfilm?“
A. Schubert: „Das Reizvolle an einer Serie ist, dass man einfach viel mehr Zeit hat, sich an Dingen aufzuhalten, die in einem Spielfilm aus dramaturgischen Gründen keinen Platz finden würden. In einer Serie zu spielen, ist wunderbar. Das war es lange nicht, aber wie gesagt: Die Art und Weise wie heutzutage Serienformate umgesetzt werden hat sich sehr zum Positiven entwickelt.“
A. Plaas-Link: „Wir haben auch als Schauspieler den Vorteil, dass wir verschiedene Projekte nebeneinander machen können, sodass wir uns nicht immer nur auf eins fokussieren müssen. Klar, in dem Drehzeitraum schon, aber wir können natürlich verschiedene Sachen machen. Ich freue mich total, wenn das weitergeht. Aber ich würde jetzt sagen, dass es interessanter als etwas Anderes ist, weil die Mischung es ausmacht. Wir haben den Vorteil, dass wir einfach die Abwechslung haben. Es ist ja immer noch ein Unterschied für dich, die „Heute-Show“ zu machen oder dies oder die anderen Filme, die du gedreht hast. Also die Abwechslung, die macht es spannend und die erfüllt einen.“

Dennis: „Ich danke euch für das Interview!“