Hallo, ihr Lieben!

Auch wenn wir hier vergleichsweise wenig politisch sind, sind wir in den letzten Wochen nicht um das Video von Serge Menga herum gekommen. Nach den Übergriffen von Köln hat er sich seine Kamera geschnappt und in einem Video über seine Gefühle gesprochen. Die circa vier Minuten wurden zum Thema in Radiostationen, Zeitungen und im Social Network. Vielleicht sind seine Aussagen deshalb so glaubhaft, weil der Mann, der ursprünglich aus dem Kongo kommt, eben -wie er selbst sagt- nicht unbedingt deutsch aussieht und trotzdem viele Sorgen von deutschen Menschen teilt.

Bald schon gründet Serge einen Verein „Ein besseres Miteinander e. V.“, der dabei helfen soll, örtliche Krisenherde zu bekämpfen. Wir haben heute mit ihm über Ausländer in Deutschland, eine gelungene Integration und seinen Auftritt bei Pegida gesprochen. Warum er sich dazu entschlossen hat, auf einer der Demos zu reden und weshalb Kommunikation zwischen allen so wichtig ist, erfahrt ihr hier!

Liebst,
Conny
PS.: Besucht doch auch einmal Serges facebook-Seite mit aktuellen Infos!

Conny: „Hättest du gedacht, dass dein erstes Video, das nach den Übergriffen von Köln aufgenommen wurde, solche Wellen schlägt?“
Serge: „Das hätte ich definitiv nicht erwartet. Ich habe das Video spontan aufgenommen, um mich mitzuteilen. Mittlerweile habe ich das Video in mehreren Sprachen aufgenommen. Man schätzt, dass ich damit circa 35 Millionen erreicht habe. Das ist dann schon eine Hausnummer.“

Conny: „Hast du dich irgendwie vorbereitet oder hast du einfach die Kamera angemacht und geredet?“
Serge: „Ich habe mich nicht vorbereitet. Ich bin nach Hause gekommen und habe die Nachrichten gesehen. Dann hatte ich das Gefühl, dass etwas gesagt werden muss. Soetwas, was da passiert ist, geht einfach nicht.“

Conny: „Wie hat sich dein Leben seit der Silvesternacht verändert?“
Serge: „Ich arbeite noch viel aktiver an einem besseren Miteinander. Ich gründe einen Verein, der sich „Ein besseres Miteinander e. V.“ nennt. Wir wollen dem zwischenmenschlichen Zusammenleben im positiven Sinne nachhelfen. Wir haben, auch hier in Essen, so viele Krisenherde. Es gibt einiges, was angepackt werden muss. Wir möchten Brücken bauen.“

Conny: „Was müssen Politiker deiner Meinung nach anders machen? Gestern hast du in einem Video über einen Bericht gesprochen, in dem von Probewahlen für Flüchtlinge die Rede ist…“
Serge: „Ich verstehe gerade nicht wirklich, was in diesem Land los ist. Gerade auch auf die Sache mit den Probewahlen musste ich reagieren, weil ich finde, dass soetwas das falsche Signal ist. Die Menschen haben wirklich Angst. Ich bin nicht jemand, der daran interessiert ist, etwas hochschaukeln zu lassen oder Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen. Aber die Menschen haben eben Angst. Momentan kommen viele Menschen, die anders aussehen, eine andere Religion haben, nach Deutschland. Das müssen wir erstmal verkraften. Die Leute müssen ein Gefühl bekommen, das ihnen zeigt, dass alles unter Kontrolle ist. Wenn aber Nachrichten kommen, dass sich IS-Kämpfer unter den Flüchtlingen befinden, wenn Dinge wie in Köln passieren oder Diebstähle zunehmen, der Rechtsradikalismus steigt und Ausländer angegriffen werden, … dann sind das zurzeit die falschen Signale. Das geht nicht! Ich selbst bin Christ, habe muslimische Freunde. Ich bin für ein besseres Miteinander. Aber wenn irgendwo so viel Unordnung und Angst herrscht, muss man andere Signale senden. Man muss der deutschen Bevölkerung klarmachen, dass Deutschland deutsch ist und deutsch bleibt, dass immer noch deutsche Gesetze in Kraft sind. Es geht darum, gemeinsam zu arbeiten. Dieses „Wir schaffen das!“ muss verstanden und akzeptiert werden. Wenn die Politik so etwas im Alleingang entscheidet, kommt es zu einer Katastrophe.“

Conny: „Also kannst du auch die „besorgten Bürger“ verstehen?“
Serge: „Ja, zu 100%. Stell‘ es dir doch einmal anders herum vor. Stell‘ dir vor, ich lebe im Kongo und das Land würde immer mehr weiße Flüchtlinge von irgendwo her aufnehmen. Aufeinmal würden mir meine eigenen Landsleute viel Negatives erzählen. Sie würden von Vergewaltigungen und das Aufzwingen einer Religion sprechen. Dann würde genau dasselbe passieren! Man muss reflektieren. Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Es geht um die Sorge um die eigene Zukunft, die Zukunft der Kinder und die Identität. Das ist verständlich. Auch zum Beispiel in der Türkei wäre das nicht möglich. Stell‘ dir vor, in Ankara käme ein Bericht in die Medien, der besagt, dass christliche Feiertage eingeführt werden und in der Schule die Bibel unterrichtet wird. Es gibt das Sprichtwort: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu!“. Ich verstehe aber auch die Medien nicht. Sie gießen oft Öl ins Feuer.“

Serge-MengaConny: „Kannst du die Flut deiner facebook-Nachrichten überhaupt noch überblicken?“
Serge: „Es ist viel, aber es ist meine Pflicht, diese Mails zu beantworten. Mir ist es doch lieber, wenn die Leute ihre Ängste und Sorgen niederschreiben, als dass sie die nächsten sind, die auf die Straße rennen. Wenn ich durch das, was ich poste, den Menschen die Möglichkeit geben kann, sich mitzuteilen und ihren Frust loszuwerden, dann ist das doch auch etwas Positives. Soetwas braucht eine Plattform. Die Nachrichten müssen beantwortet werden. Aber alleine schaffe ich das nicht mehr. Die Leute sollen ja nicht drei Wochen auf Antwort warten müssen.“

Conny: „Du bist bei Pegida aufgetreten. Ging es dir da auch um das Miteinander-Reden?“
Serge: „Genau. Die Botschaft „Ein besseres Miteinander“ gehört niemandem allein. Sie gehört uns allen. Die Probleme in einer Gesellschaft muss man sich wie in einer Beziehung vorstellen. Wenn Mann und Frau nicht mehr miteinander reden, geht das Ganze in die Brüche. Im Großen betrachtet, ist das doch nichts anderes. Wenn Menschen anfangen, Barrieren aufbauen, entsteht Neid, Hass und Missgunst. Zudem werden Vorurteile geschürt. Ich möchte im Grunde genommen der „Quoten-Neger“ sein, der sagt: „Hey! Mich gibt es auch zum Anfassen!“.“

Conny: „Wie waren denn die Reaktionen auf deinen Pegida-Auftritt?“
Serge: „Die Reaktionen waren zu 95% positiv. Bevor ich damals zur Bild-Zeitung gegangen bin, haben die Leute gebrüllt: „Auf keinen Fall!“, bevor ich zu Thomas Ruf gegangen bin, wurde gesagt: „Ach, CDU! Die kannst du alle vergessen!“, bevor ich zu Sigmar Gabriel gegangen bin, hieß es: „Ach! Der Siggi! Das Pack! Mit dem wollen wir nichts zu tun haben!“. Deswegen habe ich vor dem Auftritt bei Pegida nichts gepostet. Ich mache es jetzt umgekehrt. Ich mache etwas und zeige es den Leuten dann. Erst waren viele erstaunt, dann haben sie sich das Video angesehen und haben es verstanden. Wir müssen miteinander kommunizieren. Es gibt nicht mehrere Deutschlands! Es gibt nur ein Deutschland. Wenn wir anfangen, dieses Land in Kuchenteile aufzuteilen, schaffen wir keine Einheit. Wir werden es niemals schaffen, dass alle Parteien dasselbe wollen. Das ist mir klar. Wir werden auch nicht morgen aus Deutschland Disney Land machen, aber wir haben die Möglichkeit, als deutsche Bürgen dafür zu sorgen, dass wir eine Sprache sprechen. Und diese Sprache ist ein Leitfaden für die Zukunft dieses Landes.“

Conny: „Wenn du einem Flüchtling, der heute nach Deutschland kommt, Tipps geben könntest… was würdest du sagen, wie eine Integration klappen kann?“
Serge: „Ich würde ihm die Tipps geben, die ich selbst leibhaftig mitgemacht habe. Er soll versuchen, aus den Flüchtlingsheimen nach draußen zu gehen und einen Sportverein besuchen. Sag: „Ich möchte mitmachen!“. Dann bist du beschäftigt und lernst die Menschen und die Mentalität kennen. Du wirst in eine Gemeinschaft aufgenommen. Im Sportverein geht es um den Sport und nicht um „Flüchtling“ oder „Nicht-Flüchtling“. Älteren Menschen würde ich sagen, dass sie dorthin gehen sollen, wo Deutsche sind. Unterhaltet euch mit Deutschen! Lasst euch von Deutschen helfen und sucht euch Jobs bei Deutschen! Sprecht Deutsche an, wenn ihr Hilfe braucht! Genau das schafft das Gefühl, dass da jemand ist, der sich bemüht. Wenn alle nur untereinander bleiben, ist Integration fast gar nicht möglich. Es werden Probleme aus der Heimat besprochen, psychische Belastungen werden nicht verarbeitet und so weiter. Wie viele der Flüchtlinge bräuchten eigentlich einen Termin bei einem Psychologen? Wie lange warten sie? Sogar wir Deutsche warten doch ewig auf einen Termin! Und genau das werfe ich unserer Politik vor! Diese Leute wissen, dass sie Hilfe brauchen, aber auch, dass sie nicht dran kommen.“

Conny: „Hast du Angst vor der Zukunft?“
Serge: „Ich bin absoluter Realist. Ich sage nicht mehr „Wird schon werden!“. Ich sage ganz klar: wenn wir nicht schnell reagieren, gemeinsam nach Lösungen suchen, nicht den Arsch hoch kriegen und für unsere Zukunft und unsere Wünsche auf die Straße gehen, sehe ich schwarz. Das sind Fakten. Natürlich kann man auch hingehen und die Augen verschließen, weil man noch jeden Monat seinen Lohn bekommt und das schöne Auto noch vor der Haustüre steht.“

Conny: „Kannst du noch was zu deinem Verein erzählen?“
Serge: „Wir wollten keinen Verein gründen, der Klamotten für Flüchtlinge sammelt. Bitte nicht falsch verstehen, aber davon gibt es mehr als genug. Die machen alle einen superguten Job. Unser Verein möchte mit den Städten, den Oberbürgermeistern und so weiter sehr intensiv zusammen arbeiten und dort, wo es zwischen Bürgern in einer Stadt „brennt“ anpacken. Auch in Essen haben wir „No-Go“-Areas. Wir wollen Clans und Gruppierungen zu Tisch bitten und Lösungen finden, die für die Stadt bzw. auch für den normalen Bürger sichtbar sind. Klar können wir einen Verein gründen, Geld sammeln und das als Spende nach Syrien schicken. Bitte nicht falsch verstehen, aber davon hat der deutsche Bürger hier vor Ort erstmal garnichts. Ich räume doch auch erst meine Wohnung auf bevor ich raus gehe und so müssen wir auch erstmal im eigenen Haus für Ruhe sorgen. Die Menschen müssen beruhigt werden. Daran wollen wir aktiv arbeiten. Wir werden viele Gespräche mit Stadt, Polizei und so weiter führen. Außerdem wollen wir mit Clans, Migrantengruppen und auch deutschen Gruppen kommunizieren. Natürlich bauen wir damit auch einen gewissen Druck auf. Mal angenommen, wir finden eine Lösung, die aber dann von der Stadt bzw. der Politik nicht umgesetzt wird, muss erklärt werden, weshalb dem so ist. Es gibt so viele Vereine, die alle gute Arbeit leisten, aber wer greift denn wirklich bei Krisenherden an? Die Polizei sagt, bei Drogenhändlern ist sie machtlos, weil die Dealer oft keinen Pass haben und nicht abgeschoben werden können. Aber wie fühlt sich der deutsche Bürger, der weiß, dass seine Kinder auf dem Weg zur Schule genau an einem solchen Umschlagsplatz vorbei laufen? Irgendwann platzt einem der Kragen und ruck-zuck steht in der Presse: „Vermummter Angriff auf Schwarzafrikaner, Schwerverletzte, 2 Tote!“. Ich glaube nicht, dass das das ist, was wir wollen.“