Hallo, ihr Lieben!

Henni und Gerd, besser bekannt als Kult-Comedy-Duo „Badesalz„, sind schon seit Mai 2014 mit ihrer „Dö Chefs“-Tour unterwegs. Sie füllen die Hallen der Republik und bleiben ihrem bekannten Stil treu. Grund genug, uns mit den beiden Hessen über das „Geheimnis“ ihrer Zusammenarbeit, Comedy im Allgemeinen und über ihre kommenden Projekte zu unterhalten.

Wie entsteht ein Badesalz-Stück?

Zuallererst interessierte es uns natürlich, wie ein Programm wie „Dö Chefs“ überhaupt entsteht. „Setzt man sich ganz klassisch zusammen und brainstormt?“ will ich von ihnen wissen. Gerd erklärt mir, dass die beiden früher immer „Stunden und Tage“ zusammensaßen und geschrieben haben. Momentan sei es jedoch vielmehr so, dass beide Nummern schreiben und diese immer wieder „hin und her“ schieben. Während der „Eröffnungrunde“ würde über ein paar Tage lang ein Konzept entwickelt. Der Rest sei, laut Henni, eine Mischform zwischen E-Mails, Telefonieren und Treffen. „Wir telefonieren eigentlich sowieso fast jeden Tag. Das Ganze ist eine sehr entspannte Arbeit. Ich schreibe einen Text, schicke ihn Gerd, er ergänzt. Wie bei einem schönen Ping Pong-Spiel. Das bereichert.“ erklärt mir Henni.

„… ein typisches Badesalz-Stück.“

Bei „Dö Chefs“ handelt es sich um eine Geschichte. Ich möchte dennoch wissen, ob auch trotzdem aktuelle Ereignisse miteingebaut werden. „Die Geschichte um unsere zwei Hauptpersonen ist schon eine eigene Welt. Aktuelle Ereignisse können auch relativ schnell wieder unaktuell sein. Daher drücken wir nicht krampfhaft noch mehr Inhalte hinein.“ sagt Gerd. „“Dö Chefs“ ist auch kein Stand Up wie in den Soloprogrammen. Es ist eine Theaterform.“

In einem der letzten Interviews sprach Henni davon, ihr aktuelles Stück sei „typisch Badesalz“. Da stellt sich die Frage: „Was ist denn überhaupt „typisch Badesalz“? „Unter anderem geht es um die Form der Dialoge und die Rollenverteilung. Beide Personen sind gegensätzlich zueinander. Genau das wird auch gemocht. Ich fühle mich sehr badesalzmäßig zuhause. Nichts ist verkrampft oder mit der Brechstange herbeigebogen.“

„Ein bißchen Ruhe vor dem Auftritt…“

Vor dem Auftritt nehmen sich Henni und Gerd gern ein wenig Zeit und Ruhe. „Manche Künstler bleiben bis zehn Minuten vor dem Auftritt im Hotel, kommen dann rüber und machen ihre Show. Das wäre nichts für mich.“ erklärt Gerd, „Ich mag es, vor dem Auftritt die Bühne nochmal gecheckt zu haben. Die Techniker und wir… das ist ja auch so eine Art Familie.“

badesalz

Badesalz Live

Was ich immer wieder beeindruckend finde, ist die Tatsache, dass die beiden schon so lange gemeinsam auf der Bühne stehen. Ich frage mich, wie das alles so harmonisch ablaufen kann. „Früher haben wir mehr diskutiert.“ lächelt Gerd, „Aber bei soetwas ging es immer um die Sache, den Inhalt. Also niemals um persönliche Dinge. Irgendwann haben wir die Regel gefunden: „Wenn es einem von beiden nicht gefällt, wird es weggeworfen.“ „Ja, genau. Das „Nein“ hat immer 51%.“ ergänzt Henni. Auch Gerd ist sich sicher: „Es würde keinen Sinn machen, wenn einer mit einem Gag nicht einverstanden ist, sich nicht wohl fühlt und ihn dennoch spielt.“

… von einem Gag, der nicht ankam

Bezugnehmend auf Witze, mit denen man sich selbst oder das Publikum nicht wohl fühlt, kommen wir auf ein naheliegendes Thema. Ging denn ein Gag schonmal so richtig nach hinten los? „Oh ja!“ sagt Henni, „einmal hat Gerd -gleich zu Anfang- eine ziemlich düstere Nummer gebracht. Danach war das Publikum so geschockt, dass sie nichtmal geklatscht haben als er die Bühne verlassen hat. Danach kam ich in kurzer Hose mit einem „Ei Gude!“. Der Saal war totenstill.“ Jetzt will ich es aber genauer wissen. Worum ging es bei Gerds Nummer? „Die Nummer hatte einen Anlass aus dem Umfeld eines Freundes von mir. Er hatte mitbekommen, dass Sekretärinnen aus dem Fenster in einen Park schauten und sich über die Obdachlosen aufregten. Irgendwann sagte eine: „Naja, es ist ja bald Winter. Dann erfriert wieder der ein oder andere.“ Das Ganze hatte mich so wütend gemacht, dass ich das in einer Nummer verarbeitet habe. Der Auftritt war dann aber natürlich komplett fehl am Platz und in dem Stück. Die Überleitung zwischen mir und Hennis „Ei Gude!“ war so falsch wie wenn in den Nachrichten Syrien gezeigt wird und danach der Anstich vom Oktoberfest über die Mattscheibe flimmert. Da bekomme ich auch immer die Krise.“

„Wir hatten ein Anliegen mit der Nummer und die Leute vertragen schon eine ganze Menge…, aber das war zu krass.“ fügt Henni hinzu.

Heimvorteil in Hessen?

badesalz live

Badesalz Live

Ich frage mich, ob das hessiche Publikum anders lacht als anderswo. „Ich glaube, wir werden in Hessen schneller verstanden.“ sagt Henni, „Letztens haben wir in einer Ecke gespielt, wo die Zuschauer ziemlich ruhig waren, aber die Kritik war euphorisch. Vielleicht war der Vergleich auch extrem. Wir hatten einen Tag zuvor in Fulda gespielt… das ging ab.“ Auch Gerd ist immer noch ganz begeistert: „Nach Fulda habe ich zu Henni gesagt: „Wenn wir das heute fürs Fernsehen aufgezeichnet hätten, würden alle sagen, wir hätten das Publikum manipuliert. Es war laut. (lacht). Überschätze aber den Begriff „Heimvorteil“ nicht! Die Leute sind viel gewohnt von uns. Wenn dann irgendetwas mal nicht passt, kann das auch nach hinten losgehen.“

„Die Zuschauerzahlen sind geblieben.“

Keine Frage: auch nach 30 Jahren füllen Badesalz noch die Hallen. „Wir freuen uns, dass die Zuschauerzahlen geblieben sind. Es ist enorm, wie uns die Leute treu bleiben. Wir wissen das Ganze wirklich sehr zu schätzen.“ sagt Henni.

Gibt es Tabuthemen?

Gerd sagte es bereits. Die Badesalz Fans sind viel gewohnt und können einiges ab. Aber gibt es auch Dinge, über die die beiden keine Witze machen? Henni stellt fest: „Wir machen uns über niemanden aufgrund von Äußerlichkeiten lustig. Wir fanden es damals beispielsweise schon doof, wenn jemand reaktionäre Witze über die Kelly Family gemacht hat.“ Auch Gerd kann mit dieser Art von Witzen nichts anfangen: „Ja, und jetzt zum Comeback geht es schonwieder los. Dieselben Witze…“

Henni und Gerd auf Solopfaden

Im kommenden Jahr gehen die beiden auch wieder solo auf Tour. Für Henni ist es das zweite, für Gerd das dritte Programm.

Henni bekommt bei „Gisela“ Besuch  von einer hessischen Stubenfliege, mit der er sich unterhält. „Gerd ist da etwas gesellschaftskritischer, aber nicht auf kabarettistische Art und Weise. Er hat andere Themen. Klar, sehe ich die Welt auch kritisch, aber ich rede in meinen Programmen auch gerne mal über die Hessen oder Fußball.“

Gerds Programm heißt „Weggugge“. „Ich springe auch in viele Bereiche. „Weggugge“ meint hier das Prinzip, dass man gut damit leben kann, wenn man Dinge ausklammert. Ich habe noch ein paar Nummern zur Auswahl. Das komplette Programm steht aber noch nicht fest. Ich muss noch auswählen.“

Wer „Dö Chefs“ noch nicht gesehen hat, hat dazu aber auch ab Mai bis zum 12.12.2017 noch die Gelegenheit. Parallel dazu solltet ihr euch auch im Laufe des Jahres noch die dazugehörige DVD-Aufzeichnung kaufen. 2018 kommt eine neue Badesalz-Platte auf dem neuen, eigenen Label „Frau Batz“. Wir freuen uns.

„Ich bin ja jetzt auch Plattenboss.“ lacht Henni, „Ich bin sehr zufrieden.“

 


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