Stasis in der klassischen Zeit… da
kann frau schonmal schlechte Laune bekommen…

Der Begriff „Klassik“ oder die „klassische Zeit“ stammt aus dem Bereich der Kunstgeschichte. Wie immer bei den historischen Epochenangaben, sind die Grenzen zwischen den einzelnen Bereichen fließend. Außerdem ist es ein Trugschluss, anzunehmen, dass „Klassik“ hier etwa mit „perfekt“ oder „wunderschön“ gleichzusetzen sei.

Klassisch für die Klassik sind zahlreiche Personen, die versucht haben, die Gesellschaft und deren Gesetze nachhaltig zu beeinflussen.
Einer dieser Menschen war Solon (auch wieder wie „Cher“ und „Madonna“- scheinbar ohne Nachname).
Solon war ein Sozial- und Rechtsreformer, Lyriker, Dichter und Sänger und spricht bzw. singt in seinen Werken über seine eigene Tätigkeit als Schlichter in Athen.
In der Polis und dem dazugehörigen Gebiet ging es zu Zeiten der Klassik vor allem den Bauern be****ssen. Sie verfügten über keinerlei ausreichenden Rechtsschutz und viele Bauern wurden als Leibeigene gehalten. Dies führte -verständlicherweise- zu Spannungen. 
Ab dem Jahr 594 tritt der Adel nach und nach seine Rechte unter der Gesetzgebung Solons an die Schlichter ab. Er führt Reformen wie beispielsweise die Entschuldung (= seisachtheia) durch und verbietet die Schuldknechtschaft. In diesem Zug wurden die Markierungssteine (= hóroi) vor Grundstücken, die mit einer Hypothek belastet ware, entfernt.
Solon führte jedoch keine radikalen Veränderungen, wie beispielsweise eine Neuverteilung des Bodens, durch. Seine Reformen zielten vor allem auf ein friedvolles Gemeinleben und löste akute Spannungen.
Dies wurde vor allem dadurch deutlich, dass von nun an Besitz und nicht mehr die Herkunft als Merkmal für die soziale Stellung gesehen wurde. Die sogenannte „soziale Mobilität“ trat in den Vordergrund, das heißt, ein gesellschaftlicher Aufstieg war möglich und die Elite verkleinerte sich.


Aufbau der Gesellschaft in der klassischen Zeit:


– Schicht der 500 Scheffler
– Ritter (= hippeís) (- werden enger an die Zeugiten gebunden)
– Zeugiten
– Theten (besitzarm oder besitzlos)


Solon gründete den Rat der 400, welcher jeweils 100 Mitglieder einer Phyle beinhaltete und die Interessen der einfachen Bevölkerung vertrat. Der Rat stand somit dem Areopag gegenüber, welcher sich aus verdienten Archonten zusammensetzte.


Unter der Hand Solons entsteht zudem die Ekklesia, eine Bürgerversammlung, die unter anderem über die Wahl der Archonten entscheidet. Außerdem kann die Heliaia, ein Bürgergericht, über die Tätigkeiten der Archonten klagen.


Der Zugang zu politischen Ämtern wird mehr und mehr erleichtert und die einfache Bürgerschaft gegenüber dem Adel gestärkt.


Mit seinen Reformen wollte Solon vor allem eine Tyrannis verhindern und gesellschaftliche Assymetrien beseitigen.
Um dem politischen Druck in seiner Heimat letzten Endes zu entkommen, geht er ins Exil, wodurch sich die Spannungen wiederrum verschärfen und eine Tyrannis folgt.


Die Peisistratische Tyrannis ist nach ihrem Herrscher Peisistratos ( geboren ca. 600, gestorben 527 v. Chr.) benannt. Peisistratos startete seine politische Karriere als Archon polemarchos und Mitglied des Areopags. Im Jahre 546 v. Chr. hatte er es geschafft, sich als Alleinherrscher zu etablieren.


Die Tatsache, dass sich Tyrannen in erster Linie beim normalen Volk beliebt machen müssen, erklärt, weswegen Athen unter der peisistratischen Tyrannis eine Blütezeit erlebte. Bauten und andere Annehmlichkeiten sollten dem Volk das Leben so angenehm wie möglich machen.
Peisistratos ließ zudem die Verfassung Solons unverändert und zog lediglich die Wahl der Archonten an sich. Entscheidende Posten wurden mit seinen Leuten besetzt.
Der Trick an der Sache mit der Tyrannis war, dass er mit dem Volk auf seiner Seite gute Chancen hatte, sich gegen den Adel durchzusetzen. Jedoch ging vot allem Peisistratos äußerst zurückhaltend gegen seine Gegner vor.

Stattdessen lässt er Münzen mit dem Abbild Athenas herstellen und errichtet kultische Bauten, wie zum Beispiel den Tempel für Apoll in Delphi.
Hintergrund war auch hier wieder das Ziel, die Gemeinschaft zu vereinen und Spannungen abzubauen. Nach Peisistratos‘ Tod, übernehmen dessen Söhne die Herrschaft in Athen. Als einer der beiden Söhne ermordet wird, ist auch das Ende der Tyrannis des Geschlechts nahe. Genauergesagt beginnt nach dem Mord eine Phase, die sich mit den heutigen negativen Vorstellungen einer Tyrannis weitaus mehr in Einklang bringen lässt. Um 511/ 510 ist die Tyrannis beendet, welche als die „ältere Tyrannis“ in Athen Geschichte geschrieben hat.

Zwei weitere charakteristische Personen im Bereich der klassischen Zeit sind die Kontrahenten Kleisthenes und Isogoras.

Isogoras wurde im Jahre 508 zum Archon gewählt und wollte die Einführung eines oligarchischen Systems mit Spartas Hilfe.
Kleisthenes hingegen wollte vor allem die Unterstützung des Volkes gewinnen und wollte mit seinen Reformen („Kleisthenische Reformen“) die Macht des Adels in Athen schmälern. Seine Neuerungen zielen auf die Neuordnung der Phylen ab.
Er wollte das Gebiet in insgesamt 10 Phlyen (= politische Einheiten) einteilen, wobei eine Phyle aus je drei Trittyen bestehen sollte. Eine Trittye bestand aus einem Stadt-, einem Binnenland- und einem Küstenteil. 
Hauptaufgabe der Phylen war es, einen Vertreter in die Polis zu schicken, welcher sich um die Umsetzung der jeweiligen Bürgerwünsche kümmerte.

Die theoretisch anmutende Einteilung in Stadt, Binnenland und Küste mag anfangs ein wenig sonderbar erscheinen, hilft jedoch dabei, eine stasis nachhaltig zu verhindern.
Für Unruhen innerhalb der Gesellschaft ist es unerlässlich, dass die Mehrheit des Volkes eine Meinung vertritt. Die Interessen von Küsten- und Stadtbewohnern gehen jedoch in der Regel sehr weit auseinander, was eine stasis- Konstellation relativ unwahrscheinlich macht.

Des Weiteren richtete Kleisthenes den Rat der 500 ein, wobei jede Phyle 50 Mitglieder stellte. Jede Phyle war hier also gleichmäßig vertreten.

Ab hier kann gesagt werden, dass die Entstehung einer Demokratie von nun an nicht mehr aufzuhalten war.
Das „Lustige“ an der ganzen Sache ist der Umstand, dass der Stein des Anstoßes zu mehr Gleichberechtigung hier NICHT aus dem Bereich des Volkes kam, sondern als Folge einer Gesetzgebung „von oben“ auftrat.

Aufgrund der positiven Veränderungen gewinnt Athen zunehmend an Stabilität und innerer Sicherheit. Die Macht beginnt, Kleruchien in der Ägäis zu bilden. Es handelt sich hierbei um ein kolonienähnliches System. Die Kleruchien werden von Attika etabliert, die Bewohner sind jedoch athenische Bürger und nicht – wie bei den Kolonien- Auswanderer. Der Machtbereich Athens ist somit nicht mehr auf Attika beschränkt.

Und was gab es noch?
Athen, Athen, Athen… sonst nüscht?
Oh doch!
Kommen wir zu Sparta!

Sparta domonierte den südlichen Peloponnes. Seine geographischen Eroberungen waren nicht im Synoikimos begründet, sondern waren vor allem militärische Expansionen in Verbindung mit einer Unterwerfung der Einwohner. Somit verfügten die Spartaner bald über das größte Polisgebiet und den Peloponnesischen Bund, welchem Athen nicht beitreten wollte.

Die Bevölkerung  Spartas unterlag auch einer starken Gliederung:

  • Vollbürger (Spartaner mit vergemeinschafteten Land)
  • Heloten (Bewohner Lakoniens, dienten als Sklaven und Unterworfene, mussten Abgaben leisten und konnten bei Verdächtigungen ohne Strafe getötet werden) 
  • Periöken (frei, ohne politsche Rechte)

Die Vollbürger waren auf dem Gebiet Spartas deutlich in der Minderheit. Sie pflegten ihre militärische Leistungskraft, waren gut ausgebildet und befanden sich in ständigem Helotentraining. Auch ihre Erziehung wurde vergemeinschaftet, die Erziehung erfolgte nicht in den Familien.

Die Spitze bildete ein sogenanntes „Doppelkönigtum“. Es handelte sich um zwei Familien, die einen Ehrenvorrang inne hatten und den Oberbefehl im Krieg behielten. 

Zudem existierten Amtsträger, die fünf Ephoren (beaufsichtigen die Könige), die Gerusia (= Ältestenrat) und  die Volksversammlung.