Das war es nun – das A Summer’s Tale 2016 – das zweite seiner Art.
Voller Wehmut blicke ich auf eine tolle Woche mit ganz wunderbaren Menschen zurück und bin doch froh, die letzte Nacht wieder in meinem Bett geschlafen zu haben.

Beginnen wir am Dienstag, mit der Anreise, welche erstaunlich flüssig verlief. Der Kenner weiß um die Problematik der A7 hinter Hannover und so war ich froh, um halb fünf auf dem Crew-Camping eingetroffen zu sein.

Warum ausgerechnet Crew-Camping und nicht normales oder gar VIP? Die Antwort ist einfach. Während auf dem normalen Zeltplatz, Menschen campen, die ein Festival besuchen wollen, sind auf dem Crew-Camping, die Menschen, welche dort arbeiten. Ich habe immer das Gefühl, man hat einen viel herzlicheren Umgang miteinander… Teil dieses großen Ganzen zu sein. Auf dem Crew Camping findet man zwischen Securitys, Catering, Helfern und Presse einfach immer die interessantesten Charaktere.

Ich hatte zum Beispiel Nachbarn, die beim Designmarkt ausgestellt haben und mit viel Liebe zum Detail, Fahrradklingeln, Knöpfe, Puppen und Haargummis gefertigt haben.

Leider hat mich dies die erste Nacht auch nicht mehr gewärmt. 5°C.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen: 5 Grad mitten im August! Ich habe schon damit gerechnet, die Erfrierungsopfer mit schwarzen Nasen am nächsten Morgen zu sehen. Das war arschkalt!

An dieser Stelle mal ein Tipp, um auch bei solchen Temperaturen gut durch die Nacht zu kommen:

1. Schlafsack: man nehme die Komforttemperatur bei Mädels +10°
C und bei Jungens +5° C , wähle seinen Schlafsack danach und er hält dich bettkuschelig warm.

2. Füße: Freiraum am Fuß mit Klamotten ausstopfen und am besten
wirklich Schlafsocken aus Wolle und Alpaka mitnehmen.

3. Kopf: Kopfbeckungen sind Gold wert in kalten Nächten! Ich
hab ne Schlauchschal-Kapuzen-Kombi die wirklich meinen Kopf warmhält.
Ein absolutes Muss!

Den Mittwoch ist auch wirklich keiner so auf Temperatur gekommen. In dicken Jacken und Mänteln kuschelten sich die Besucher, bei immer wiederkehrenden Regenschauern, bevorzugt im Zeltraum. „Dieses mal kein Gehetze!“ war mein Motto. Dementsprechend habe ich mir die Goldstücke aus dem Programm gepickt. Die Bilder seht ihr schon bald in der Galerie unten.

a_summer_tale_2016Musikalisch begann der Tag mit José González, welcher mit seinen ruhigen und melancholischen Gitarrenklängen auch die Sehnsucht nach Sonne und Wärme unterstrich. Prinzipiell sind ruhige und eher sanfte Künstler mit Ihrer Musik immer ein schwieriges Thema auf Festivals, auf denen die Menschen gerne tanzen und Spaß haben wollen. Jetzt muss man allerdings dazu sagen, dass das A Summer’s Tale eigentlich den perfekten Rahmen auch für solche Künstler bietet. Mit weiten Liegeflächen vor den Bühnen laden auch leise Klänge zum Verweilen bei einem Glas Wein ein… mit Picknickdecke und spielenden Kindern,… aber eben nicht bei 12°C und Nieselregen.

Machen wir die Stimmung aber nicht schlechter als sie wirklich war, denn für das Wetter waren die Gäste wirklich allesamt gut drauf und hatten ihren Spaß. Die paar Sonnenminuten wurden gleich extensiv ausgenutzt und niemand ist unglücklich nach Hause gefahren oder vorzeitig abgereist. Sonne wäre also nur das i-Tüpfelchen eines wunderbaren Festivals gewesen.

Die musikalische Überraschung am Mittwoch war eindeutig Michael Kiwanuka, welcher schon als Support von Adele auf der Bühne stand und mit einer prägnanten Stimme überzeugte. Eine Mischung aus Folk, Jazz, einer Prise Blues und viel Soul zog Kiwanuka die Hörer in seinen Bann.

Den Abschluss des Festivaltages bildete dann Garbage. Die vierköpfige Band um Schlagzeuger Butch Vig, Gitarrist und Keyboarder Duke Erikson, Gitarrist Steve Marker und Frontfrau Shirley Manson machte mit ihrer Mischung aus Rock mit elektronischen Elementen am Abend noch richtig Stimmung auf dem Platz.

Danach ging es ab in den Schlafsack. Diesmal wurden meine eigenen Tipps auch berücksichtigt und somit stand einer wohlig warmen Nacht nichts mehr im Wege.

Musikalisch begann der Donnerstag mit dem von mir heißgeliebten Friskar Viljor. Hach, machen diese Schweden mit ihrem Indie-Pop-Rock Spaß auf der Bühne. Da sieht man wirklich zwei Freunde, die Freude an Musik haben, erfrischend offen und ehrlich. Das spürt das Publikum und zollt es Ihnen mit Applaus und Jubel.

Der super sympathische Thees Uhlmann hatte Heimspiel. „Nordish by Nature“ spielte er sich innerhalb von Sekunden mit seiner Band in die Herzen, was nicht nur an seinem Heimvorteil lag. Kluge, geistreiche und witzige Texte machen einfach Spaß und bringen gute Laune.

Bei Caravan Palace konnte man eines ganz wunderbar: Tanzen! Das war mein absolutes Tanzhighlight des Festivals. Caravan Palace machen Elektro-Swing. Mehr Swing als Elektro – und vor allem viel schöner, klüger und feinsinniger als der Pionier Parov Stelar. Caravan Palace bringen ein Arrangement von Klängen auf einen diffizilen Nenner, wogegen Parov Stelar zu einem DJ-Set mit Blechbläsern verkommt.

Jetzt kommen Sie, die großen Namen: Glen Hansard und Sigur Rós, um das Abendprogramm zu bespielen. Ich mag Glen und ich liebe Sigur Rós, aber wenn ihr mich nun fragt, wer live schöner und besser war, muss ich sagen: es war Glen.

Nicht, dass ich Sigur Rós sauer war, dass sie uns Fotografen herrlich verarscht haben. Zwei Lieder durften wir sie fotografieren, normalerweise sind es drei, aber zwei Lieder HINTER der Videowall zu spielen und uns verdutzt im Graben stehen zu lassen – Respekt! Nein, alles nicht schlimm, sie sind und bleiben sehr bescheidene und bodenständige Jungens. Aber genau das fehlt Ihnen live einfach: die Verbindung zum Publikum. Auch wenn die Bühnenshow super war, ist mein Resümee: Sigur Rós ist Balsam für die Ohren – zu Hause, auf einer guten Anlage. live brauche ich sie nicht mehr.

Damit verabschieden wir uns von den ersten zwei Tagen. Seid gespannt wie es weiter geht.