… oder: Die absurdeste Geschichte über Männerfreundschaft, die es gibt.

Schon beim Betreten des Zuschauerraums des Globe Neuss bin ich begeistert: Proteus, einer der beiden männlichen Hauptcharaktere des Stücks, sitzt Liebeslieder singend vor der Bühne. Auf dieser befindet sich ein zugezogener, von indirektem Licht beleuchteter, Seidenvorhang, hinter dem eine Frau tanzt. Genau das Richtige also für mich.

Es wird vermutet, dass das Stück Zwei Herren aus Verona, Shakespeares erstes Stück gewesen ist. Umso gespannter bin ich, denn auch ein Genie durchläuft sicherlich eine Entwicklung. Und obwohl das Stück als Shakespeares Debüt gilt, bin ich restlos begeistert.

In der Komödie stehen die komplizierten Liebesbeziehungen der verschiedenen Charaktere und deren Liebesbeziehungen im Fokus. Proteus und Julia lieben sich zu Beginn des Stückes. Jedoch findet auch Lucetta, die Dienerin Julias Gefallen an dem jungen Dichter. Valentin, der beste Freund Proteus, liebt Silvia – die hübsche Tochter des Herzogs. Doch auch der Freund des Herzogs, Turio, möchte Silvia zur Frau nehmen. In der Zwischenzeit findet wohl auch Proteus Gefallen an der schönen Silvia und versucht diese zu vergewaltigen. Doch sein Freund Valentin verzeiht ihm und möchte ihm Silvia sogar zur Frau geben. Ein heilloses Wirrwarr und doch schaffte das Ensemble es, die Geschichte lustig und verständlich zu vermitteln.

Nicht nur durch die gesprochenen Texte, die durchaus über Wortwitz verfügten, sondern auch durch Einbringung von komischen Bildern (z.B. eine ganze Kiste voller Liebesbriefe, die unter Lucettas Kleid zum Vorschein kommt) und witzigen Situationen wird das Publikum zum lachen gebracht. Der Hund im Stück – eine Marionette – erstklassig geführt hat auch die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert.

Das Bühnenbild ist im Großen und Ganzen schlicht gehalten, jedoch werden passende Lichteffekte benutzt, sodass eine stimmige Atmosphäre geschaffen wird. Angepasst an die jeweiligen Situationen, fühlt man sich an den Hafen versetzt, an dem das Schiff baldigst nach Mailand übersetzen soll, z. B. am Hafen, von dem baldigst das Schiff nach Mailand ablegen soll. Die Vorhänge imitieren den Wellengang und die übrigen Darsteller mimen Möwen nach.

Die Schauspieler spielen 2 Stunden ohne Pause und lassen sich weder von gerissenen Hosen, verschwitzten Oberhemden, noch von der drückenden Schwüle im Globe an diesem Nachmittag die Lust am Spiel verderben. Sie spielen voller Hingabe und Inbrunst ihre diversen Rollen und auch zahlreiche Kostümwechsel bewältigen sie ohne Probleme. Ich persönlich empfand es als etwas langwierig was auch der Hitze geschuldet sein kann. Meines Erachtens nach hätte man die Räuber streichen können, um etwas Spielzeit einzusparen. Trotzdem sind diese gelungen auf de Bühne im Globe gebracht, da diese durch verschiedene Klappen im Bühnenboden auftauchen.

Insgesamt bin ich glücklich das Stück Zwei Herren aus Verona besucht zu haben. Ein mit bisher unbekanntes Stück, grandios inszeniert!

Liebst,
Eure Jenny