Premieren sind was Feines. Vorpremieren auch. Denn – frei nach Sebastian Pufpaff: „Alle, die nach Ihnen kommen, bekommen ein besseres Programm zu sehen!“… uns verriet er noch vor seinem Auftritt im Düsseldorfer zakk: „Ich hatte relativ schnell die erste Hälfte von „Wir nach“ fertig. Das hatte ich so noch nie. Aber es ist wirklich so, dass man eine Vorpremiere spielt, nach Hause geht, einen Teil löscht und neu macht. Frei nach dem Motto „Trial and error“.“

Im -für pufpaffsche (<- warum zur Hölle meckert mein Rechtschreibprogramm?) Verhältnisse- wirklich kleinen Kreis von circa 100 Leuten, nahm uns Sebastian mal wieder mit auf eine spannende Reise. Bei „Wir nach“ handelt es sich um einen Titel, der viel Interpretationsspielraum bietet. Wem laufen wir eigentlich nach? Uns? Wenn ja… weshalb?

Das Hinterfragen der Gesellschaft

Im Gegensatz zu den vorherigen beiden Programmen („Auf Anfang“ und „Warum“) bezieht sich „Wir nach“ weniger auf das aktuelle politische Geschehen, sondern auf uns. Jeder der mit offenen Augen durch die Welt geht, weiß sicherlich: genau hier haben wir genug Baustellen.

Pufpaff nimmt den Zuschauer also mit auf eine Reise quer durch #metoo, Sexismus, unterbezahlte Pflegeberufe und den ganz normalen Wahnsinn. Besonders interessant ist hierbei auch der Wechsel zwischen dem Charakter des „heute Show“ Pufpaffs und des „echten Sebastian“. „Man hat Ihnen das Arschloch gut abgekauft!“ lobt eine Zuschauerin vor mir. Und tatsächlich kann sicherlich niemand abstreiten, dass es „da draußen“ Menschen gibt, die zum Großteil so denken, wie das Extrem, das der Künstler an diesem Abend teilweise auf die Bühne bringt.

Aufgrund der Tatsache, dass „Wir nach“ noch greifbarer, weil näher an der Gesellschaft, arbeitet, schmerzt das künstlerische „Salz in der Wunde“ sicherlich noch ein wenig mehr. Keine Frage: der Spiegel wird vorgehalten, teilweise sogar an die Nase gedrückt… und ständig fragst du dich – bin ich auch so? Gleichzeitig bleibt Pufpaff seinem Stil, der -wie bewiesen wurde- auch im kleinen Rahmen hervorragend funktioniert, absolut treu. Einer erfolgreichen Tour und einem entsprechenden Anschluss an die bisherigen beiden erfolgreichen Programme dürfte also nichts im Wege stehen.

„Es macht unglaublich viel Spaß, ein neues Programm zu machen… wenn man denn „nur“ ein neues Programm machen müsste. Aber parallel dazu passieren ja auch viele Dinge. Mal hat das Kind Fieber, es gibt die „Happy Hour“… usw..“ verrät er uns. „Ich versuche aber, mich nicht stressen zu lassen.“

pufpaff_2019Der Stuhlkreis oder „Lassen Sie uns eine Feedbackrunde machen!“

Eine weitere Besonderheit: die Zuschauer der Vorpremieren hatten die Möglichkeit, direkt Feedback zu geben. Was war gut? Wo gibt es eventuell Verbesserungsbedarf? Und: wurde deutlich, dass das Extrem, das manchmal dargestellt wurde, wirklich auch als solches interpretierbar gemacht? Einstimmige Meinung: ja!

Und was sagt der Künstler? „In der ersten Hälfte des Programms stelle ich das schlechteste Beispiel eines deutschen Bürgers dar, um es in der zweiten Hälfte nochmal ad absurdum zu führen. Letzten Endes natürlich auch, um dann noch eine optimistische Aussicht zu geben.“

Keine Frage: „Wir nach“ scheint mir das bisher bissigste der Pufpaff Programme zu sein. Schonungslos, ehrlich und selbstreflektierend, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Denn: letzten Endes sitzen wir doch alle im selben Boot, oder?

 

Alle Infos zu Sebastians Tour findet ihr hier!

Liebst,

Conny