„Don’t judge a book by its cover
I’m not much of a man
By the light of day
But by night I’m one hell of a lover“

(Dr. Frank-N-Furter)

Der Erfolg einer Show steht und fällt ja bekanntlich mit den Darstellern und einer guten Handlung. Dass die Storyline der legendären Rocky Horror Show absolut brilliant und zeitlos ist, und genau deswegen über Jahrzente erfolgreich funktioniert, würde wohl kaum jemand abstreiten wollen.

Was meinen Kinoabend aber wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis machte, war die hochklassige Besetzung, allen voran West-End Theater Star David Bedella als Dr. Frank-N-Furter. Sein laszives Lächeln schaffte es die ganze Bühne einzunehmen und jeden Zusschauer binnen Sekunden um den Finger zu wickeln. Haley Flaherty traf mit ihrer Verkörperung der naiven und konservativen Janet Weiss genau ins Schwarze, so wollte man am liebsten auf die Bühne stürmen und sie in den Arm nehmen.

Dominic Anderson, als Rocky Horror soll hier nicht unerwähnt bleiben -ein wahrer Augenschmaus für die weiblichen Zusschauer! Ebenfalls begeistert hat mich Sophie Linder-Lees Auftritt. Ich musste mehrmals laut lachen, da ihre Mimik, ihre irren Bewegungen und schrille Singstimme die Rolle der Columbia ganz neu interpretiert haben. Generell strotzte das gesamte Ensemble von kräftigen Stimmen und bestens eingeübten Choreographien, die die Megahits des Musicals direkt zum Ohrwurm verwandelten. Dies war auch bestens möglich. Dank guter Ton- und Bildtechnik des Londoner Playhouse Theatres ließ sich frei nach dem Motto „Give yourself over to absolute pleasure“ ordentlich im Kinositz mitwippen und mitsingen.

„Absolute pleasure“ blieb in Düsseldorf leider aus, da an diesem Abend nur eine handvoll Zuschauer den Weg ins Kino fanden. Dennoch wurde auch unsere Stimmung immer losgelöster, als auf der Bühne mehr und mehr die Hüllen fielen und auch die Gast-Stars, wie Emma Bunton kräftig im Geschehen mitmischten. Mitgemischt haben auch die Zuschauer vor Ort. Die Produktion ist bekannt für eine lebhafte Interaktion mit dem Publikum, das teilweise lustig, dennoch manchmal auch störend, immer wieder lauthals Sätze der Darsteller nach ihrem eigenen Gusto beendete.
Zahlreiche Gasterzähler machten die Produktion zu etwas ganz Besonderem und erinnerten daran, dass diese Aufführung außer der Reihe als Charityevent stattfand. So auch ein Interview mit dem Erfinder und Autor, Richard O’Brien in der Pause. Dort plädierte er für mehr Toleranz gegenüber Homo- und Transsexualität und zeigte einen Kurzfilm, der ebenfalls für einen offenen Umgang mit Randgruppen wirbt. Richard O´Briens Rückkehr auf die Bühne als Erzähler war wahrlich magisch und bleibt im Gedächtnis. Ganz in schwarz gekleidet erschien nur sein markantes Gesicht im Kerzenschein aus der Dunkelheit. Bedächtig sprach er die weisen letzten Worte des Musicals und blies die Kerze aus.
Chapeau, das war wirklich klasse!
Liebe Grüße
Vanessa