Hi Marc! Die offensichtlichste Frage zuerst: Wann wurde dir klar, dass du wie Freddie Mercury klingst?

Marc Martel: Tatsächlich ist diese Frage mittlerweile ein Teil meines Lebens geworden. Als ich 2011 mein Bewerbungsvideo für Roger Taylors Queen Tribute Show bei YouTube hochgeladen habe, wurde ich dazu aufgefordert dem Video einen Untertitel zu geben und ich habe mich damals für „Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du klingst wie Freddie Mercury?“ entschieden, weil mir diese Frage schon vor über acht Jahren das erste Mal gestellt wurde. Da ich aber nicht mit der Musik von Queen aufgewachsen bin, hat es ein wenig gedauert, bis mir die Tatsache bewusst wurde. Damals hatte ich meine eigene Band und dann hat sich diese Frage immer öfter wiederholt, selbst wenn ich meine eigenen Songs gesungen habe hat man also anscheinend eine Ähnlichkeit gehört.

War es denn eine große Überwindung für dich das Bewerbungs-Video damals bei YouTube hochzuladen?

Marc Martel: Weißt du, als ich gehört habe, dass Roger Taylor seine eigene offizielle Queen Tribute Band zusammenstellt, klang das einfach zu gut, um wahr zu sein. Bevor ich davon erfahren habe, dass das Projekt geplant ist, hatte ich tatsächlich Tagträume davon von Roger Taylor entdeckt zu werden. Ich habe mich immer gefragt, was er sich denken würde, wenn er mich zufällig irgendwo singen hören würde. Ein Freund hat mir damals den Link zum Wettbewerb geschickt und ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Mein Manager hat mir dann auch noch dazu geraten mich zu bewerben und das obwohl ich damals ja noch meine eigene Band hatte. Ich habe glaub ich sieben Anläufe gebraucht, um das Bewerbungsvideo zu erstellen. Am Anfang war ich viel zu verkrampft, erst beim letzten Take habe ich mich dann richtig wohl gefühlt. Meine Frau hat mich dann auch noch dazu ermutigt, es wirklich hochzuladen. Bevor ich den finalen Schritt gegangen bin, hatte ich natürlich auch nochmal kleine Zweifel – immerhin wusste ich damals schon, dass dieser Wettbewerb mein Leben verändern könnte.

Wie lief der Bewerbungsprozess für Queen Extravaganza ungefähr ab? Hat Roger Taylor dich angerufen und dir gesagt: „Hey Marc, du bist dabei“?

Marc Martel: Nein, ganz so schnell ging es leider nicht. Insgesamt gab es drei Bewerbungsrunden. Anfangs haben die Klicks der Videos gezählt, in der letzten Runde haben dann Roger Taylor und sein Team die finale Entscheidung getroffen. Als mein Video viral gegangen ist (Drei Millionen Views in der ersten Woche), habe ich mir natürlich schon ganz gute Chancen ausgemalt. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich erst nach dem großen Erfolg meines Bewerbungsvideos und all dem großartigen Feedback gemerkt habe, dass ich wohl wirklich klingen muss wie Freddie.

Werbung

Dann hat es sich also mehr als ausgezahlt, dass du den Mut hattest damals dein Bewerbungsvideo hochzuladen. Immerhin bist du jetzt ja auch schon einige Jahre mit dem Queen Repertoire auf Tour und warst sogar Teil des Oscarprämierten Films „Bohemian Rhapsody“!

Marc Martel: Ja, mit Queen Extravaganza war ich über sechs Jahre unterwegs, das ist echt eine lange Zeit. Das Projekt hat dann aber ein Jahr pausiert und ich musste in der Zwischenzeit irgendetwas tun, so haben sich meine anderen Queen-Projekte ergeben und mittlerweile bin ich auch sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin. Ein Teil des Films zu sein, das war natürlich eine ganz besondere Erfahrung. Das war der erste Film, bei dem ich mitgewirkt habe und auch, wenn ich nur meine Gesangsstimme beigesteuert habe, habe ich viel gelernt und erlebt.

Musstest du denn ein bestimmtes Stimm-Training machen, bevor du zum ersten Mal mit dem Queen-Repertoire aufgetreten bist?

Marc Martel: Ja, natürlich. Bei Queen Extravaganza waren wir ja fünf Sänger, die eine Show zusammen gerockt haben. Damals hatte ich teilweise wirklich Probleme und war schon nach drei Songs heiser. Mittlerweile bin ich gut genug trainiert, um eine ganze Tour problemlos zu absolvieren. Meine Technik hat sich auf natürlichem Weg verbessert und ich bin jetzt ein viel stärkerer Sänger, als ich es damals war.

Werbung

Du bist jetzt gerade für deine Presse Tour das dritte Mal in Deutschland, freust du dich schon darauf nächstes Jahr zum vierten Mal nach Deutschland zu reisen und hier die One Vision of Queen Show in vielen deutschen Städten zu spielen?

Marc Martel: Als ich gehört habe, wie viele Shows wir in Deutschland spielen werden, war ich wirklich überrascht. Ich wusste, dass Deutschland ein kulturinteressiertes Land ist, aber dass es hier so viele Queen Fans gibt, das hätte ich nicht gedacht. Ich freue mich schon sehr darauf viel Zeit in Deutschland zu verbringen und hoffentlich auch ein bisschen was von der Landschaft zu sehen. Wir werden mit dem Tourbus reisen, da sieht man dann auch mal etwas mehr als nur den Flughafen einer Stadt.

Jetzt eine komplizierte Frage für dich: Weshalb sollte jemand der kein Queen Fan ist trotzdem eine One Vision of Queen Show besuchen?

Marc Martel: Hier kann ich ganz einfach aus Erfahrung sprechen, ich habe nach den Shows schon so oft mit Menschen gesprochen, die gezwungen wurden mit ihren Freunden, oder ihrer Familie zum Konzert zu kommen. Die Reaktion war in solchen Fällen fast immer die Gleiche: „Ich wollte hier heute eigentlich nicht sein, aber ich hatte so viel Spaß!“. Das beweist mir einfach, dass Musik wirklich sowas wie eine Universalsprache ist, die fast jeder Mensch versteht. Sogar manch abgeklärter Musiker, der nicht gedacht hatte, nochmal was Neues in seinem Leben zu sehen, hat mir schon sein Lob ausgesprochen. Das Queen Repertoire gibt einfach so viel her, man kann so unglaublich gut damit arbeiten und es lässt uns den Freiraum, jeden auf der Bühne glänzen zu lassen – jeder hat hier seinen großen Moment.

Mittlerweile hast du neben deinem Bewerbungsvideo für Queen Extravaganza ja auch noch viele weitere Clips auf YouTube hochgeladen. Deine Bohemian Rhapsody Version (über 32 Mio. Klicks) zum Beispiel, aber besonders gut gefallen hat mir „The Mercurotti“. Wie kamst du auf die Idee, Freddie Mercury und Luciano Pavarotti zu kombinieren? 

Marc Martel: In den 80ern haben meine Eltern eine VHS Kassette der „Drei Tenöre“ gekauft und schon damals haben mich die gewaltigen Stimmen dieser drei Ausnahmekünstler beeindruckt. Ich habe zwar nie selbst Opern gesungen, aber fasziniert hat es mich schon immer. Ich frage mich sehr oft, wie es geklungen hätte, wenn Freddie zu seinen Lebzeiten Coversongs gesungen hätte. Deshalb performe ich im Rahmen der Tour auch eine Freddie Version von „Ave-Maria“. Da Freddie ja großer Opern Liebhaber war dachte ich mir, dass er und Pavarotti doch bestimmt irgendwann eine Bühne geteilt haben, haben sie aber nicht. Außerdem lasse ich mir einmal im Jahr aus Spaß einen Bart wachsen und als ich ihn mal wieder abrasieren wollte, dachte ich mir – soll ich, oder soll ich nicht? So war meine Idee für „The Mercurotti“ geboren.

Wie wir ja bereits gehört haben, hattest du ja früher eine eigene Band. Dafür hast du auch eigene Songs geschrieben, hast du bestimmte Song-Writing Rituale?

Marc Martel: Oh, das hat mich glaub ich noch nie jemand gefragt. Leider ist es schon etwas länger her, dass ich einen Song geschrieben habe. Wenn ich einen Song schreibe, muss ich mich voll und ganz darauf konzentrieren, ich hatte im vergangenen Jahr nur selten spontane Eingebungen und dann auch noch die Zeit sie fest zu halten. Ich hoffe, dass ich mich nächstes Jahr wieder etwas mehr auf meine eigene Musik konzentrieren kann und eventuell auch mit anderen Musikern zusammen zu schreiben.

Und nun abschließend: Gibt es noch etwas, das du deinem zukünftigen Publikum sagen möchtest?

Marc Martel: Auf jeden Fall! Ich fühle mich wirklich so geehrt, so viele Termine, in so vielen tollen Locations in Deutschland spielen zu dürfen. Ich fühle mich hier wirklich unglaublich wohl und ich bin mir sicher, dass wir eine tolle Zeit zusammen haben werden. Tanzt euch schon mal warm, denn das wird eine richtige Party, darauf könnt ihr euch verlassen.

Quelle: Semmel Concert