Guten Morgen, ihr Lieben!

Habt ihr euch gestern abend auch gegen Heidis Mädchen und für den Echo verliehen? Richtig so! Immerhin wird dieser wichtige Musikpreis nur einmal im Jahr verliehen. Im Nachhinein betrachtet, hält sich die Begeisterung bei uns jedoch ein wenig in Grenzen. Das Event gestern bewegte sich irgendwo zwischen „freaky“, „creepy“, „unterhaltsam“ und „Kopfschütteln“. Doch wieso eigentlich?

Pocher als Trump

Oliver Pocher machte in den letzten Wochen (leider) weniger durch seine Comedy-Ambitionen als durch sein Privatleben aufmerksam. Das angebliche Sex-Video mit Sarah Joelle und die Trennung von Lisiki sorgten für den ein oder anderen Shitstorm. Auch die (wirklich) sensiblen Kommentare zum Tod seiner Oma und dem von Guido Westerwelle („Eine würdige, sehr zu Herzen gehende Trauerfeier für einen so liebevollen Menschen! Vielen Dank für die netten Momente in meinem Leben!“) wurde von seiner facebook-Fangemeinde nicht durchweg positiv aufgenommen. Gestern machte Pocher seinem Namen jedoch wieder alle Ehre und trat als Donald Trump verkleidet auf dem Roten Teppich auf. Interviews gab’s nur auf englisch. Man muss schließlich in der Rolle bleiben.

Helene auf Siegerkurs

Abräumerin des Abends war zweifelsohne Frau Fischer. Gleich vier Mal wurde ihr die begehrte Auszeichnung verliehen. Ob sie sich zu 100% darüber freuen kann, bleibt, nach dem sich langsam aufbauenden Shitstorm in den sozialen Netzwerken, fraglich. „Kein Wunder, dass man die Sendung nicht mehr ernst nimmt und immer weniger schauen.“, „Adeles ’25‘ war viel länger unter den Top Ten und sie hätte den Echo verdient.“ und „Irgendwas läuft doch jetzt auch in der Musikbranche verkehrt!? Wie kann z. B. ein Weihnachtsalbum nach nur 4 Monaten zum Album des Jahres gekührt werden?“ waren hier noch die nettesten Kommentare.

Kein Echo für Sido

Als unglücklicher „Verlierer“ des gestrigen Abends (zumindest in echotechnischer Hinsicht) kann Sido bezeichnet werden. Viermal nominiert, viermal kein Preis. Schade. Aber da der Rapper vor ein paar Tagen Vater wurde, wird er hierfür mit Sicherheit in familiärer Hinsicht mehrfach entschädigt.

Der Echo für Frei.Wild

In einer Zeit, in der es die AfD schafft, zig Wähler zu generieren und ohnehin genug Zündstoff in der Gesellschaft vorhanden ist, mag es befremdlich anmuten, eine Band mit einem derartigen (nennen wir es einmal) „Ruf“ mit einem Echo auszuzeichnen. Und trotzdem schafften sie es, die Kategorie „Rock/Alternative National“ für sich zu vereinnahmen. Erinnert uns das nicht an etwas? War da nicht was? Genau! Vor circa drei Jahren standen die Jungs schoneinmal auf der Nominiertenliste, wurden jedoch gestrichen, weil andere Bands drohten, die Verleihung zu boykottieren. Die Band, der Verbindungen zur rechten Szene nachgesagt werden, möchte den verliehenen Echo als Symbol für Widerstand gegen Ausgrenzung  entgegen genommen haben. Aha.

Xaviers „Frei“ kommt nicht an

Xavier Naidoo, bekannt als unbestrittener Dr. Ton der „TVOG“ Jury, musste gestern abend erfahren, dass im Biz niemand ein Erfolgsabo gebucht hat. Oder anders: heute wird die Vorstellung seines neuen Songs „Frei“ zerrissen. Während sich eingefleischte Fans zu den Tönen des (zugegeben) gewöhnungsbedürftigen Songs einschwoften, platzte das Netz vor weniger begeisterten Kommentaren. Aber: Xavier ist eben Xavier, hat seinen eigenen Stil und war einer der wenigen, die Roger Cicero gestern abend die Ehre zugestanden, die er eigentlich verdient hätte.

In Gedenken an…

David Bowie und Roger Cicero gehören zu den Künstlern, die dieses Jahr bereits die große Bühne für immer verlassen haben. Während Herrn Bowie in angemessener Weise gedacht wurde, schwang die Erinnerung an den deutschen Swing- und Jazzkünstler zwar mit, war aber selten wirklich direkt präsent. Auch wenn Roger zweimal nominiert war, ging er leer aus. Schade. Wir hätten es ihm gegönnt, auch wenn der Preis sicherlich das Letzte wäre, was ihm heute wichtig wäre.

Liebst,

Conny