Foto: Marianne Menke

Wie feiert man den 450. Geburtstag eines dramaturgischen Genies? Mit einem Ständchen ist es da wohl kaum getan. Das Theater-Ensemble der Bremer Shakespeare Company hat sich zusammen mit Jessica Swale (Übersetzung: Patricia Benecke) und Raz Shaw (Regie) etwas ganz Besonderes einfallen lassen und dem Dichter und Dramatiker ein eigenes Stück geschrieben: Wie es Will gefällt (All’s Will that Ends Will).

Der gelehrte Mr Parish, der durch einen glücklichen Zufall am Theater gastiert, springt mit seinem Vortrag über Shakespeare für das Stück „Romeo und Julia“ ein, da die Schauspieler durch unglückliche Umstände entführt worden sind. Doch sein akademischer Vortrag verläuft so gar nicht nach seinen Vorstellungen. Ständig tauchen Figuren und Personal aus dem Elisabethanischen Zeitalter auf und geben ihren Senf dazu. Mit Parishs Aussage, dass „Hamlet“ das erfolgreichste Stück Shakespeares sei, kann Titania schwer leben. Sie liefert dem Akademiker allerhand Gründe, wieso „Ein Sommernachtstraum“ eigentlich den Anspruch auf den Titel hat. Unterstützung bekommt sie dabei von Oberon und einem witzigen Anwaltsduo aus Athen. Neben lehrreichen Fakten rund um das Stück gibt es eine Menge zu lachen.

Foto: Marianne Menke

Natürlich darf Hamlet selbst nicht fehlen. Hamlet überzeugt wie auch im Stück mit Unentschlossenheit und brilliert nicht gerade mit Entscheidungslust. Die diversen Konflikte des Stückes werden angesprochen und selbst wer das Stück noch gar nicht kannte, versteht nun worum es ungefähr geht. Mit Hamlet kommt natürlich auch Ophelia auf die Bühne. Die schlagfertige Frau gibt auf humorvolle und durchaus einleuchtende Art und Weise ihr Gründe für ihr Handeln. Hier folgt eines meiner persönlichen Highlights des Stückes: Ophelia klagt an, dass Frauenrollen in Shakespeares Stücken viel zu kurz kommen und wirft dabei mit vielen Zahlen und Statistiken um sich. Unterstützung bekommt sie von diversen Frauenfiguren aus verschiedenen Stücken. Die Anklage an Shakespeare folgt dann in einem fetzigen Rap von Rosalind („Wie es euch gefällt“), Julia („Romeo und Julia“), Isabella („Maß für Maß“) und Katharina („Der Widerspenstigen Zähmung“).

Doch auch auf das Globe und das Theater im Allgemeinen und in der damaligen Zeit wird Bezug genommen. Die Lord Chamberlain’s Men treten auf und nehmen Herrn Parish und das Publikum mit in die Geschichte des Theaters. So gibt es neben Fakten rund um das Globe auch eine lustige Auseinandersetzung mit einem Puritaner, der eine sehr emotionale Begründung dafür gibt, wieso denn Theater und alles was damit zu tun hat zwischen 1642 und 1660 verboten gewesen ist. Zum Ende des Stückes hin wird sich mit der aktuellsten Frage der Forschung beschäftigt: Die Identitätsfrage.

Foto: Marianne Menke

Gab es Shakespeare wirklich? Und wenn es ihn gab, war er auch der Verfasser der vielen, heute hoch gelobten Werke? Sein größter Konkurrent „Kit“ (Christopher Marlowe) hat dazu eine ganz eigene Meinung. Auf diese Frage gibt die Bremer Shakespeare Company ihre Antwort, welche an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird.

Wir hatten Tanz, Gesang und Anekdoten …. was fehlt also noch um einen Geburtstag zu einem richtigen Geburtstag zu machen? Richtig, der Kuchen. Auch den gab es am Ende … all’s well that end’s well.

Ihr Lieben, was soll ich sagen? Ich war begeistert. Ein gelungener Auftakt zum diesjährigen Shakespeare Festival im Globe Neuss. Die vertrauten Gesichter des Ensembles und ihre liebevolle Art mit Shakespeares Stücken umzugehen haben mich komplett begeistert. Der Mix aus Schattenspielen, Gesang, Tanz und Fakten ist eindeutig gelungen und die persönlichen Statements der Schauspieler am Ende des Stückes waren ehrlich und auf den Punkt. Ich wette um eine frische Pastete, dass dieser Geburtstag dem guten, alten Will gefallen hätte. Am Sonntag bin ich für „Geschichte für Alle“ wieder vor Ort und werde natürlich wieder berichten.

Liebst, Jenny