Des Öfteren fragt auch ihr euch bestimmt, was wohl in den Köpfen bestimmter Leute vorgehen mag. Genau darum geht es in dem neuen Pixar-Streifen „Alles steht Kopf“ („Inside Out“ im Original). Im Film selbst geht es um das kleine Mädchen Riley und die Stimmen in ihrem Kopf: Freude, Kummer, Ekel, Angst und Wut. Diese bestimmen nämlich ihren Gemütszustand und somit auch ihr Verhalten. Wann freut sich Riley? Wann ist sie traurig oder wütend? Das sind die Aufgaben der fünf verkörperten Gefühle.
Nachdem die ersten Jahre des kleinen Mädchens wie im Bilderbuch verliefen, zieht die dreiköpfige Familie von Minnesota nach San Francisco, da der Vater einen neuen Job angenommen hat. Von da an verändert sich für Riley viel, was sich auch in ihrem Kopf bemerkbar macht. Sie ist öfter wütend, hat Angst oder ekelt sich auch vor bestimmten Dingen. Da ist es manchmal schwierig, einen freudigen Eindruck zu machen, wodurch die kleine Figur Freude ganz schön ins Straucheln kommt.
Doch zu einem bestimmten Zeitpunkt gelangen Freude und Kummer ins Langzeitgedächtnis von Riley und können ihre Gefühle nicht mehr weitergeben. Nur noch Angst, Wut und Ekel können das Kommando übernehmen, was sich natürlich auf Rileys Gemütszustand auswirkt. Von hier an beginnt die Reise für Freude und Kummer, den Weg zurück zur Kommandozentrale zu finden und wieder für gute Gefühle zu sorgen.
Die Idee des Films klingt nicht nur ein wenig verrückt, sie wird teilweise auch genau so erzählt. Allerdings ist gerade die Gestaltung der Szenerie sehr charmant gelungen und zieht den Zuschauer direkt in seinen Bann. Erinnerungen werden in kleinen Kügelchen festgehalten, die sich farblich immer an ein Gefühl anpassen. Eine freudige Erinnerung ist gelb, während eine traurige Erinnerung blau erscheint. Die Logik des Films kommt nicht nur kindgerecht daher, sondern ist auch durchaus für ältere Zuschauer geeignet.
Denn schließlich fragen auch wir uns ziemlich oft, was wohl gerade eben in dem Kopf von jemandem vorgegangen sein soll. „Alles steht Kopf“ bietet eine Antwortmöglichkeit, die für jeden Zuschauer nachvollziehbar und einfach schön anzusehen ist. Manchmal streiten sich sogar die Gefühle und das ist im wahren Leben schließlich auch des Öfteren so. Es gibt immer Situationen, in denen wir nicht so genau wissen, was wir überhaupt fühlen sollen. Auch das bekannte Gefühlschaos und aufgeregte Situationen fängt der Animationsfilm auf und gibt sie äußerst charmant wieder.

©2015 Disney•Pixar

INSIDE OUT – Joy and Sadness navigate through Imagination Land. ©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Darüberhinaus ist auch die weitere Darstellung fantasievoll umgesetzt. Das Langzeitgedächtnis besteht beispielsweise aus riesigen Regalreihen, in denen sich scheinbar unendlich viele Erinnerungskügelchen befinden. Diese Reihen sind zu einem riesigen Labyrinth miteinander verflochten, was durchaus an die Struktur eines Gehirns erinnert. Auch wird endlich mal aufgeklärt, wie es zu einem Ohrwurm kommt, was doch schon wirklich jeder von uns wissen wollte.
Auch die Sprecher, die für die Emotionen auf jeden Fall gut gewählt wurden, machen größtenteils eine gute Figur. Wut wird beispielsweise von Hans-Joachim Heist gesprochen, der als „Gernot Hassknecht“ aus der Heute Show bekannt ist. Komiker und Kabarettist Olaf Schubert übernimmt die Stimme von Angst, Nana Spier, unter anderem die deutsche Stimme von Drew Barrymore, spricht Freude. Kummer bedient sich bei Philine Peters-Arnolds, die Stimme von Joan Cusack und Ekel wird letztendlich von Tanya Kahana gesprochen, die auch Hayden Panettiere spricht.
Weitere bekannte Stimmen sind beispielsweise Michael Pan, der in „Alles steht Kopf“ Bing Bong und sonst als Stimme von James McGill aus „Breaking Bad“ oder „Better Call Saul“ bekannt ist. Doch auch YouTube-Stars wurden für Synchronrollen angeheuert. So leihen Matthias Roll und Philipp Laude von Y-Titty ebenfalls zwei Charakteren ihre Stimme im Film. Dies sind zwar nur kleine Stimmen, aber so wird natürlich versucht, ein noch breiteres, jüngeres Publikum anzusprechen.

©2015 Disney•Pixar

INSIDE OUT – Pictured (L-R): Fear, Joy, and Disgust. ©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

Typisch für Disney- und Pixar-Filme sind natürlich immer Pointen, die auf den Zusammenhalt der Familie eingehen oder eben darauf, dass die Hoffnung niemals aufgegeben werden darf. Dies wurde natürlich auch bei „Alles steht Kopf“ umgesetzt, worüber sich aber niemand wundern sollte.
Regisseur Pete Doctor, der auch schon bei „Oben“ oder „Wall E – Der Letzte räumt die Erde auf“ das Drehbuch schrieb und Regie führte, hat mit „Alles steht Kopf“ wieder einen besonderen Film ins Leben gerufen, der es fast auf magische Art und Weise von der ersten Minute an schafft, den Zuschauer zu fesseln und zu zeigen, wie es in unseren Köpfen aussehen könnte. Und das interessiert doch nun wirklich jeden. Noch dazu gibt es des Öfteren etwas zu lachen und auch für den einen oder anderen traurigen Moment wurde gesorgt.
Von der Animationstechnik her bekommt ihr allerdings nicht viel Neues zu sehen. Pixar bedient sich bereits bekannter Werkzeuge und Umsetzungsmethoden, wobei die verkörperten Emotionen von naher Perspektive schon sehr schick und glänzend aussehen. Dafür hat der Soundtrack des Films besondere Momente, an denen er heraussticht und hervorragend zum Geschehen passt. Für die musikalische Untermalung war wieder Michael Giacchino verantwortlich, der auch schon die Musik von „Oben“, „Ratatouille“ oder „Cars 2“ komponierte.
Ich persönlich hatte jedenfalls von der ersten bis zur letzten Minute Spaß und bin sogar gewillt, mir den Film noch einmal im Original anzuschauen. Die englische Fassung interessiert mich sehr und ich persönlich bin der Meinung, dass viele Filme in ihrer Original-Vertonung doch besser herüberkommen. Doch auch in deutscher Vertonung macht der Film Spaß, keine Sorge. Ich kann ihn euch nur wärmstens ans Herz legen.
Viel Spaß beim Gucken,
Dennis